Markt vs. Staat

ach, in was für Zeiten wir derzeit leben. Schien es für Otto Normalverbraucher noch vor 15 Jahren so, als ob der Markt, der Kapitalismus sich endgültig als das bessere System bewiesen hätte, wird heute der Corporatism und das Versagen des Marktes beklagt. Der Staat könne bestimmte Dinge eben doch besser, heisst es jetzt.

Als Beispiel zieht Jan Rischmüller auf Telepolis hier die Telekommunikationsbranche hervor, und malt eine schöne Utopie davon, wie ein Fernmeldeamt agiert hätte:

Nur hätten wir wohl Bündel von 30 oder mehr ISDN-Kanälen zur Verfügung statt DSL, was mehr Qualität bedeutet hätte. Sie hätten natürlich Mobilfunk aufgebaut, was nicht annähernd so aufwendig ist wie die Vernetzung über Erdkabel und darum auch viel billiger sein müsste (insbesondere die SMS, aber das ist ein anderer Artikel). Mit einem neuen Protokoll hätten sie sich nicht so schwer getan wie die Providergemeinde in Deutschland und sie würden längst die Straßen aufgraben um Glasfasern zu verlegen.

Hah!

Ich sag's nochmal: Hah!

In der Theorie wäre das natürlich alles möglich gewesen, aber man erinnere sich bitte: Jahrelang war das Anschließen eines besseren Modems mit mehr als 9.600 Baud Übertragungsgeschwindigkeit schlicht illegal. Es hat gefühlte Ewigkeiten gedauert, bis irgendwas mal verändert wurde. Der Amtsschimmel wieherte, und das Schalten des ISDN-Anschlusses involvierte noch 1994 drei Fernmeldetechniker bei mir vor Ort, eine horrende Handyrechnung und sehr viel bürokratischen Aufwand. Damals sagte ich es jedem der nicht schnell genug weglief: Sobald es eine Chance gäbe, von der Post/Telekom wegzukommen, würde ich sie wahrnehmen.

Das bedeutet nicht, dass Privatisierung die Lösung aller Probleme ist. Aber Verstaatlichung ist auch nur halb so gut wie viele denken.


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