Orkpiraten

Thinking and Playing and Testing

Im Bildblog ist mal wieder zu sehen, wie doppelbödig die Moral von Zeitungsverlagen sein kann:

Sechs große Hamburger Verlage haben in der vergangenen Woche die Bundesregierung aufgefordert, das Urheberrecht im Internet zu verschärfen. “Im Internet darf es keine rechtsfreien Zonen geben”, erklärten die Verlage von “Bild”, “Spiegel”, “Zeit”, “InTouch”, “Für Sie” und “Stern”. “Ungenehmigte Nutzung fremden geistigen Eigentums muss verboten bleiben.”

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Der “Stern” weigert sich im Zusammenhang mit dem Amoklauf von Winnenden konsequent, Fragen nach der Herkunft der von ihm gezeigten Privatfotos der Opfer zu beantworten. In seiner aktuellen Ausgabe zeigt er fast jedes der über 100 Opfer des Flugzeugabsturzes im Bild. Bei den meisten fehlt der sonst übliche Hinweis auf die Quelle.

Nun erklärt uns aber Mercedes Bunz (wundervoll, wie eigentlich immer) im Tagesspiegel unter der Überschrift “Wir wollen gar nicht klauen” was das wirklich hinter der Hamburger Erklärung steht:

“Tatsächlich ist die Verletzung des Urheberrechts im Netz für Tageszeitungen kein akutes Problem, dennoch schüren Verlage wie Springer diese Debatte, weil sie in der aktuellen Krise davon träumen, ihre im Netz umsonst zur Verfügung gestellten Inhalte in so genannten „Paid Content“ zu verwandeln.”

Genau. Es geht “denen da oben” nicht darum, die Rechte von Urhebern zu schützen.  Es geht darum, die Gesetze so zu erweitern (oder gar zu mißbrauchen), um bequem Geld in die eigene Tasche zu scheffeln.

Leute, unterstützt und wählt Piraten!


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Im Rahmen der Diskussion um das Verbot von “Killerspielen”, was immer man darunter verstehen soll, wird ja seitens der Spieler vertreten, daß der Zusammenhang zwischen Amokläufen und Computerspielen ja gar nicht bewiesen sei.

Das ist aber nicht der Punkt. Wer sich auf diese Diskussion einlässt, verliert auf lange Sicht.

Der Punkt ist, daß es sicherlich noch viele sehr gravierendere Gründe gibt, die so etwas auslösen.

Es geht darum, aufzuzeigen, dass eine gelungene Prävention nicht mit simplen Verboten von Einzelthemen anfangen sollte. Sie kann eventuell damit aufhören, wenn schon alle anderen Wege zuende gegangen sind, und das Problem immer noch gravierend besteh.

Momentan wird von der Politik jedoch immer nur der kleinste aber populistischste Teil eines Problems angegangen. So wird wenigstens irgendwas getan, dabei aber die wirklichen Dinge hinter dem Problem ignoriert.

Genau dieses Vorgehen sehen wir derzeit auch beim aktuellen Beispiel “Kindesmissbrauchsbilder im Internet”. Sinnvoll wäre es, die Ursache des Problems zu bekämpfen: Aktiv gegen den Kindesmissbrauch an sich vorzugehen, Hilfen für krankhaft veranlage Menschen bereitzustellen, so daß diese sich nicht mehr an Kindern vergreifen. Schlußendlich müssen die Serverbetreiber dingfest gemacht werden.

Stattdessen wird aber ein unglaublicher medialer und politischer Aufwand in die Etablierung einer Filterinfrastruktur gesteckt, die wiederum kaum ein Kind schützt.

Dabei stellt sich aber heraus, dass die Politik im Grunde ein ganz anderes Problem hat: Nicht alle Staaten dieser Erde verbieten oder reglementieren Dinge gleich. Manche Meinungsäußerungen oder Konsumgüter sind hier erlaubt, dort aber verboten. Manches ist dort schon für Kinder zugänglich, hier aber gerade einmal für Erwachsene toleriert.

Jedes Gesetz steht und fällt aber mit seiner Durchsetzbarkeit. Vor den Zeiten des Internets, vor der Globalisierung war das relativ einfach. Ladengeschäfte waren kontrollierbar, und der Zoll tat sein übriges um “Verbotenes” fern zu halten.

Heute ist das jedoch anders, und viele Inhalte und Dienstleistungen können nun über alle Landes- und Gesetzesgrenzen hinweg angeboten werden.

Übrigens: In der Tat gelten weltweit unterschiedlichste Standards für Kindessmisbrauchsbilder. Was hüben ein harmloses Bild eines lachenden Kindes ist, gilt drüben als schlimmes “Posing”-Bild. Teilweise ist ja auch in einigen Ländern die Anscheinskinderpornographie verboten, oder gar Cartoons die Bart Simpson beim Pimpern zeigen.

Wir bekommen die Internetzensur also nicht, um die wirklich “schlimmen” Bilder zu entfernen, sondern um Bart-Simpson-Cartoons wegzufiltern, denn viele Hoster werden wohl zu Recht eher nur drüber lachen, wenn man da um Löschung fragt.

Denn: Unterschlagen wird, dass die “brutalen Mißhandlungen von Kleinstkindern”, die da “zerfetzt” werden aber ganz sicher weltweit geächtet und verboten sind. JEDER Staat der zivilisiert genug ist, um Internethoster zu haben wird das geächtet haben.

Das Problem des Internetfilterns wird uns also noch lange beschäftigen, auch jenseits von “Kinderpornographie” oder “Glücksspiel”. Wir als Gesellschaft sollten uns daher dringend darüber Gedanken machen, wie wir auf Dauer mit den unterschiedlichen Rechtsvorstellungen in der internationalen Gemeinschaft umgehen.

Wie behandeln wir aus unserer Sicht illegale Dinge, die, woanders erlaubt und daher über das Internet eben auch für Deutsche abrufbar sind? Die Errichtung von digitalen Grenzpfosten (=Filter/Zensur) ist ja offensichtlich keine erstrebenswerte Lösung. Was bleibt uns dann aber?

Eine Möglichkeit wäre die stillschweigende Duldung. Damit verbunden ist aber eine auf lange Sicht schleichende Legalisierung, denn ein Gesetz dass sich nicht durchsetzen lässt, ist keines.

Oder müssen wir uns in die Belange anderer Staaten einmischen, in der Hoffnung, dass diese ihre Gesetze den unsrigen anpassen?

Und was machen wir als Gesellschaft, wenn es tatsächlich doch einen Staat gibt, in dem das Hosten von übelsten Missbrauchsbildern komplett legal ist?

Daher: Vorsicht, auf welche Diskussion wir uns einlassen. Es lauern unerwartete Fallstricke...

Nachtrag: leonie vom Mädchenblog weist auf genau das gleiche Problem im Umgang mit Bulämie hin.


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Lest mal beim BILDblog, wie sich einer der Chefredakteure der BILD bei einer Podiumsdiskussion über die Berichterstattung von Winnenden verhalten hat.

Da kommt mir das kalte Kotzen!


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Der Astrópía-DVD liegt ja ein kleines Booklet mit einem Einsteiger-Rollenspiel von Dirk bei.

Mook nutzt das jetzt seit Wochen erfolgreich an seinem Arbeitsplatz (einer Kita) um mit Viertklässlern gepflegt durch eine Fantasy-Welt zu wandern und Abenteuer zu erleben.

Muss ihm nochmal nahelegen nächstes Wochenende einen Kita-Ausflug zum Nordcon zu machen...


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Die Deutsche Kinderhilfe hat eine Unterschriftenaktion für die Filterpläne der Bundesregierung ins Leben gerufen.

Hier mal meine Email an die:

Guten Tag,

ich wende mich an Sie, da ich gerade von Ihrer Unterschriftenaktion bzgl. der geplanten Internetsperren erfahren habe.

Grundsätzlich stimme ich Ihrer Kernthese zu: Es gibt keinerlei Grund- oder sonstwelches Recht auf Verbreitung kinder“pornographischer“ Seiten. Solche Inhalte müssen strafrechtlich verfolgt und unverzüglich aus dem Verkehr gezogen werden.

Die Pläne von BKA und des Bundesfamilienministeriums erreichen dieses Ziel aber keineswegs. Stattdessen werden wichtige Ressourcen im Kampf gegen Kinderpornographie unsinnig gebunden, unnötige Kosten verursacht und nicht ein einziges Kind vor Missbrauch geschützt.

Schon aus diesen Gründen alleine kann ich Ihre Unterschriftenaktion leider nicht unterstützen.

Anders als von der Bundesregierung dargestellt könnten jedoch die Server die solche Inhalte bereitstellen binnen kürzester Zeit mit den bestehenden rechtstaatlichen Mitteln komplett vom Netz genommen werden. Damit wären diese Inhalte nicht nur ausgeblendet, sondern weltweit nicht mehr erreichbar. Versuche der Kinderschutzorganisation CareChild haben dies zweifelsfrei erwiesen. Selbst Provider in Fernost entfernten Missbrauchsdokumente binnen kürzester Zeit.

Das sollte also Ihre Forderung sein, eine Forderung für die Sie sofort meine vollste Zustimmung erhalten würden!

Eine staatlich verordnete Filterliste die nur provisorisch die Symptome verschleiert, gleichzeitig aber von keiner unabhängigen Instanz kontrolliert wird kann ich nicht gutheißen. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass damit gleichzeitig auch andere beliebige Inhalte blockiert würden. Ein solches Vorgehen ist nicht mit rechtsstaatlichen Prinzipien vereinbar und bereitet einer grundgesetzwidrigen Zensur die Wege.

Bitte überdenken Sie Ihre Unterschriftenaktion noch einmal. Am Ende dieser Mail habe ich einige Verweise auf Internetseiten, dort können Sie meine Argumente nachvollziehen und sich ein eigenes Bild machen.

Mit freundlichen Grüßen,
Christian Buggedei

http://mogis.wordpress.com/ – Missbrauchsopfer gegen Internetsperren
http://www.carechild.de/news/politik/internetzensur_carechild_versuch_blamiert_deutsche_politiker_566_1.html
http://www.heise.de/ct/Die-Argumente-fuer-Kinderporno-Sperren-laufen-ins-Leere--/artikel/135867

PS: Ich werde diese Email und (Ihr Einverständnis vorausgesetzt) etwaige Antworten von Ihnen auf meiner Internetpräsenz http://www.orkpiraten.de veröffentlichen.

Ich hoffe ja, dass die sich noch besinnen... (Man darf doch noch hoffen, oder?)

*Edit: Was ich noch hätte anhängen müssen: Hanno Zullas Aufruf!


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...das scheinen die einzigen Patentrezepte der Politik zu sein. Geht es um um Paintball-Spiele, LARPs, Computerspiele, Internetseiten, Horrorfilme oder gar MMS-Mitteilungen unter Jugendlichen.

All das, was nicht verstanden wird, gehört unter dem Mantel des Jugendschutzes verboten, basta.

Ob es wirklich wirksam ist, dieses zu tun, oder ob es nicht sinnvoller wäre mehr in Suchtprävention, Aufklärung, Konfliktbewältigungsfähigkeiten oder gar Medienkompetenz unserer Jugend zu investieren wird nicht hinterfragt.

Wer verbietet, ist der Starke Mann bzw. die Starke Frau und verspricht sich davon Wählerstimmen.


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Es sind ja nicht nur die Nerds und Internetspezis, die gegen Internetsperren sind.

Nein, es sind eben auch gerade die Opferverbände, wie zum Beispiel MOGIS oder Trotz allem e.V., oder auch besorgte Mütter.

Das belegt leider wieder einmal kräftig, wie egal die Opfer der Bundesregierung in Wirklichkeit sind...

Also, wer es bislang noch nicht gemacht hat: Petition mitzeichnen und zusätzlich vielleicht sogar Flagge zeigen!


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Man mag ja über den Petitionsausschuss denken was man will. Aber es ist ein demokratisches Mittel, und will also auch genutzt werden.

Anke Gröner macht nun hierauf aufmerksam:

Online-Petition beim Deutschen Bundestag gegen Indizierung und Sperrung von Internetseiten.

Sagt alles, oder? Also, Link anklicken, anmelden und mitzeichnen!

(interessant zu wissen wäre jetzt, warum in der angehängten Diskussion der Link zum Artikel auf heise.de entfernt wurde...)


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I heard a faint “EXTER-MINATE!” from inside...


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Heise.de berichtet über Nokias Sorgen:

Netzbetreiber und Gerätebauer müssten gemeinsam verhindern, dass die Kostenlos-Kultur des Internets überschwappe und damit den “Wert der Mobilfunkindustrie” zerstöre, meinte nun Nokia-Vorstand Tero Ojanperä gegenüber der Financial Times Deutschland. “Die Herausforderung für uns ist nicht Apple, sondern ein Handykunde, der kein Geld für mobile Inhalte ausgibt”, meinte Ojanperä, der die Internetaktivitäten des finnischen Konzerns steuert.

Da zeigt sich mal die ganze Ignoranz und Arroganz der Wirtschaft: Abgesehen von dem (wohl endlich schrumpfenden) Markt “Ahnungslose Leute die Abos für Klingeltöne und seltsame Handylogos abschließen” gab es nie eine flächendeckende Bereitschaft der Handykunden für “mobile Inhalte” Geld auszugeben.

Das liegt nicht am Internet, das liegt daran, dass Wert und Preis dieser Inhalte um Welten auseinanderliegen. Dieser ganze Markt besteht nur aus halblegaler Abzocke, nicht aber aus einem echten Bedarf seitens der Kunden.

Jetzt dem Internet am eigenem Marktversagen die Schuld in die Schuhe zu schieben ist einfach nur dreist.

Ich habe übrigens schon seit Jahren kein Nokia-Handy mehr. Schlicht, weil Preis und Ausstattung für meine Bedürfnisse nicht mehr zusammenpassten. Und meine Inhalte mache ich mir selbst, so sie denn überhaupt über das reine Telefonieren hinausgehen.


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