Orkpiraten

Thinking and Playing and Testing

[caption id=“attachment_3775” align=“alignleft” width=“154”]Ready Player One von Ernest Cline Ready Player One von Ernest Cline[/caption]

Alleine das Titelbild ist evokativ genug: Die Stacks, aus Platzgründen zu Hochhäusern aufeinandergestapelte Wohnwagen in einer dystopischen Zukunft. Das ist die Heimat von Wade, der sich aufmachen wird, das Erbe des größten Spieleentwicklers der Welt anzutreten.

Die Prämisse des Buches ist ähnlich wie die von Daemon, aber doch vollkommen anders. Die Dystopie ist hier aber nur die Bildtapete, im Grunde ist das Buch eine Liebeserklärung an die Popkultur der 80er, insbesondere der Computerspiele dieser Zeit, verpackt in einen gut lesbaren Thriller. Mit 6,01 Euro fast noch ein Schnäppchen.


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[caption id=“attachment_3772” align=“alignleft” width=“154”]The Forest of Time, von Michael Flynn The Forest of Time, von Michael Flynn[/caption]

Paralleluniversen sind ja fast schon ein Klischee der Science Fiction. (Siehe auch die Mongoliad) In diesem Fall besuchen wir ein Pennsylvania in dem die Vereinigten Staaten nie vereinigt wurden. Die Novelle ist gerade lang genug um das Thema auszudiskutieren, ohne es aber irgendwie abzuwürgen.

Unterhaltsam, und die 2,irgendwas für die Kindleausgabe durchaus wert.


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[caption id=“attachment_3766” align=“alignleft” width=“152”]Gutenberg the Geek, von Jeff Jarvis Gutenberg the Geek, von Jeff Jarvis[/caption]

Eine “Kindle Single”, also ein Buch, das gar nicht mal so lang, dafür aber leider (im Vergleich zu no-name-Titeln) immer noch überraschend teuer ist.

Dennoch, die Lektüre lohnt sich: Der Text erzählt von Gutenbergs Leben und Wirken als ginge es um ein Tech-Startup. Was war das Geschäftsmodell, gab es Konkurrenten, wie wurden technische Hürden gemeistert?

Das Titelbild zitiert übrigens nicht umsonst his Steveness.

PS: Ich werde hier demnächst wieder mehrere Buch-Erwähnungen streuen, nicht zuletzt als Reaktion auf Kristians Blogbeitrag.


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The MongoliadNeal Stephensons neues großes Ding. Eine Trilogie, ein kollaboratives Schreibprojekt, eine Webcommunity mit Abo-Option, und und und.

Im Endeffekt ist es ein phantastischer Historienschinken, der eine alternative Geschichte der Mongoleninvasion erzählt. Am Anfang glaubt man zwar noch, dass es sich um einen reinen Historienroman handelt, doch zum Ende des ersten Buches hin nehmen einige Ereignisse eine durchaus eher übernatürliche Wendung.

Solide Unterhaltung mit interessanten Charakteren


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Es ist wohl weitgehend bekannt, dass kaum jemand AGBs oder deren US-Äquivalent “Terms of Service” liest. Nicht, weil es einen nicht interessiert, sondern weil die Dinger meistens viel zu lang und viel zu umständlich geschrieben sind. Juristensprache eben, die Regeln sollen ja eindeutig sein.

Im Ergebnis erklären die meisten Anwender zu Dingen ihre Einwilligung, die sie entweder gar nicht richtig verstanden haben oder sogar bei richtiger Aufklärung nie so abgenickt hätten.

ToS;DR will das ändern. Das englischsprachige Projekt entstand im Rahmen des Chaos Communication Camps 2011 in Berlin, und zielt darauf ab, die AGBs in handliche und mittels Ampelsystem verständliche Brocken zu zerlegen. Darauf basierend wird dann der jeweilige Dienst mit einem Label versehen, aus dem man auf einem Blick erkennen kann, ob der Dienst “gefährlich” oder nutzerfreundlich ist.

Das Projekt ist natürlich noch nicht abgeschlossen, und sucht auch weiterhin Helfer und Sponsoren. Ich hoffe, dass sich so eine Art der AGB-Klassifizierung durchsetzen wird. Mit Glück sehen wir dann auch Erkläricons wie sie bei den CC-Lizenzen verwendet werden.

Mir persönlich fehlt noch eine Erläuterung des Scores: Wenn man zum Beispiel auf die Einzelscores von “Right to leave Service” schaut, dann ist nicht ersichtlich, warum für die jeweils gleiche Einschränkung mal ein Negativscore von 125 und dann woanders von 170 vergeben wird. Ich vermute, es hängt mit den Bildrechten zusammen, aber eine genauere Erklärung wäre hier sehr hilfreich.

Insgesamt halte ich ToS;DR aber für ein exzellentes und unterstützenswertes Projekt. Und bevor Ihr das nächste Mal einem neuen Dienst betretet, schaut da doch einmal vorbei, um Euch über Eure Rechte zu informieren.

Wenn Ihr hingegen selbst einen neuen Dienst aufzieht, dann überlegt doch einmal, ob Ihr Eure AGBs nicht in eine ähnlich leicht lesbare Form pressen könnt.


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Markus Kompa hat es gleichzeitig verstanden und nicht verstanden:

 Wenn also bei den Piraten absehbar keine Quote kommen wird, stellt sich die Frage nach Alternativen, um Bewerberinnen zu ermutigen. Mit welchen anderen Maßnahmen ein frauenfreundlicheres Klima erzeugt werden könnte, weiß ich leider auch nicht.

Die Frauenquote ist, wie er ganz richtig erkennt, ein Mittel ein frauenfreundliches Klima zu schaffen. Und dagegen verwehren sich viele Piraten vollkommen zurecht. Denn es geht nicht darum, ein -freundliches Klima zu schaffen, sondern ein Klima zu schaffen, in dem sich keine Gruppe über Gebühr benachteiligt fühlen muss.

Das ist es denn auch, was ich mit “hat es verstanden” meine, den er setzt folgenden Satz direkt hinter die obige Aussage:

Man könnte aber wenigstens die hausgemachten Probleme angehen und auf Entgleisungen, wie man sie bisweilen leider beobachten muss, sensibler und entschiedener reagieren.

Genau. Wir müssen auf die Einzelfälle reagieren und Leuten, die andere ausgrenzen oder niedermachen wollen entschieden entgegentreten. Da bin ich sofort für. Aber pauschal die paar die in unserer Partei gar nicht mal so wenig vorhandenen Frauen in den Vordergrund zu schieben, nur damit die über das Vehikel Posten besser sichtbar sind, das hilft niemanden auf Dauer.


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Seit einigen Tagen geht mir ein Gedanke durch den Kopf. Jens Seipenbusch hat offensichtlich ähnliche, denn er fragt im Zeit-Gespräch mit Jan Hegemann:

Warum haben Jugendliche kaum Skrupel, Filesharing zu machen, aber erhebliche, im Laden zu klauen?

Die beiden diskutieren da auf hohem Niveau aneinander vorbei, und im Grunde berühren sie den Gedanken, nur am Rande, aber das Ganze ist schon lesenswert.

Aber diese eine Frage, die legt den Finger in die Wunde. Die Wunde, von der ich spreche ist die Diskrepanz zwischen dem, was von einem signifikanten Teil der Gesellschaft als legitim angesehen wird, und dem, was legal ist.

Unsere Gesetze sind ja nicht Selbstzweck, sondern der in Paragraphen gegossene Konsens darüber, wie wir als Gesellschaft funktionieren wollen. Wir wollen nicht, dass man uns verletzt oder umbringt, daher stellen wir das unter Strafe. Wir finden nichts dabei, wenn sich Leute morgens ein Brötchen schmieren, also ist das erlaubt.  Da wir nicht bei jeder Handlung des täglichen Lebens mit Polizisten, Anwälten und Richtern zu tun haben wollen, sind all diese Gesetze für den Ausnahmefall da, wo wir uns nicht sofort einig sind.

Gesetze sind quasi die Notbremse, die wir ziehen, wenn das normale Miteinander in der Gesellschaft aus irgendeinem Grund gerade nicht funktioniert. Normalerweise gehe ich in den Garten, stelle den Grill auf und mache mir etwas zu essen. Dabei berücksichtige ich nach Möglichkeit, dass der Rauch nicht in das Schlafzimmer meiner Nachbarn zieht. Das mache ich, auch ohne dafür das korrekte Gesetz zitieren zu können, weil das einfach so Konsens ist. “Das macht man so”.

Problematisch wird es, wenn der kodifizierte, in Gesetze gegossene Konsens von dem Empfinden der Menschen abweicht. Irgendwann haben wir zum Beispiel aufgehört, Ehebruch unter Strafe zu stellen, bis das aber soweit war, gab es viele Konflikte. Der Konsum von “weichen” Drogen ist auch so ein Fall, wo wir gerade mitten im Umbruch sind.

Und der ganze Themenkomplex Urheberrecht eben auch. Da gibt es ganz offensichtlich einen tiefen Bruch im “Gerechtigkeitsempfinden”. Diesen jetzt mit dem Verweis auf die Gesetzeslage wegwischen zu wollen hilft niemanden. Denn das Problem ist ein soziales, wir haben einen fehlenden Konsens darüber, was gerecht ist. Diesen Konsens müssen wir wieder herstellen, ansonsten ist jedes Gesetzesvorhaben von vornherein gescheitert.


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Was so gerade bei mir vorbeischwimmt: Christen in der Piratenpartei.

Mein erster Gedanke war “WTF?”. Mein zweiter war: “je nu, wenn das ihr Glaube ist, dann kann und will ich denen den nicht verbieten.“ Vor dem dritten und vierten Gedanken las ich dann erst einmal deren Manifest. Dort findet sich, verpackt in einigen Anrufungen von Jesus und Gott, klare Bekenntnisse zu einer Trennung von Kirche und Staat, eine Anerkennung anderer Religionen und auch ansonsten piratische Positionen.

Insofern mag ich nichts tiefer Verwerfliches dort finden, dennoch bleibt ein gewisses Magengrummeln: Ich bin Atheist, und die wiederholten nahezu lobpreisenden Verweise auf Jesus Christus sind mir in meinem politischen Klub doch eher suspekt.

Einen Shitstorm möchte ich hier auf keinen Fall aufziehen sehen. Die Vertreter dieser Initiative scheinen mir zu zivilisiert aufzutreten, als dass sie das verdient hätten, auch wenn mir das Adjektiv “postsäkular”, dass sie im Wikieintrag unserer Gesellschaft anhängen wollen, nicht ganz schmeckt.

Dennoch: Die Idee eines aktiven Zusammenschluss von Religiösen (egal welcher Religion) innerhalb der Piratenpartei zum Zwecke, die Ansichten dieser Religion irgendwie in Position zu Parteientscheidungen zu bringen halte ich für ganz schlecht. Ich werde keine Entscheidung mittragen können, die an irgendeiner Stelle mit “Religion $Foo sagt. das soll man so machen” begründet wird. Entweder wir finden für einen Standpunkt komplett religionsfreie Argumente, oder wir können ihn nicht vertreten, Punkt.

Das bedeutet natürlich nicht, dass eine irgendwie geartete Diskriminierung religiöser Piraten toleriert werden soll. Aber religiöse Argumente haben in der Partei nichts zu suchen. Daher, liebe Anhänger jeglicher Religion in meiner Partei: Glaubt was Ihr wollt. Aber bittte, macht Politik so, als wenn Ihr Atheisten wäret. Denn wenn Euch das nicht gelingt, werden Eure Vorschläge unweigerlich an irgendeiner Stelle mit einer anderen Religion oder Weltanschauung kollidieren.


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Mir platzt gerade wieder der Kragen, wie sich bei Google+ die beiden Seiten der Diskussion polemisch beharken, ohne auch nur in die Nähe eines gegenseitigen Verständnisses zu kommen. Liebe Urheberrechtsgegner, bitte denkt stets daran, dass es den Autoren, Musikern, Verlagen, etcpp. um die Wurst geht. Wenn Ihr sagt “Urheberrecht muss komplett weg!!11einself”, dann stehen die erstmal gefühlt vor dem Nichts. Jaja, da gibt es zig Möglichkeiten doch Geld zu verdienen, und die sollen sich mal nicht so haben, sagt Ihr jetzt. Aber diese Möglichkeiten haben die noch nicht ausprobiert. Das ist terra incognita für die meisten Leute. Und dementsprechend geht es für sie um nichts weniger als deren Existenz.

Und davor haben sie Angst. Vollkommen berechtigt. Denn wenn Du ein Lied herunterlädst, dass Du sonst nicht gekauft hättest, dann hat der Musiker eigentlich keinen Verlust – aber was, wenn das alle machen? “Machen sie nicht!” sagst Du jetzt. “Aber was wenn doch?” fragt sich der Musiker. Und hat Angst. Und wer Angst hat, mit dem kann man kaum noch rational verhandeln. Also, seid nett zu ihnen, nutzt keine Kampfbegriffe wie “Mafia”, “Parasit” oder ähnlichen Kram. Wir möchten, dass all diese Leute irgendwann auch auf unserer Seite stehen, und das bekommen wir nicht hin, wenn wir sie beschimpfen.

Liebe Urheberrechtsinhaber und -verwerter, wir wollen Euch nichts böses. Wirklich nicht. Ich mag Filme, Bücher und Musik, und ich gebe gerne Geld dafür aus, damit ich mehr davon bekomme.

Um Grunde geht es bei der ganzen Sache nur um eines: Das verlustfreie Kopieren und quasi kostenlose Verbreiten von Informationen wird nicht weggehen. Egal ob legal oder illegal. Da ist (traurigerweise) auch bei der Masse der Leute kaum Unrechtsbewusstsein. Aus deren Sicht verursachen sie nämlich minimalen Schaden, wenn überhaupt. Schließlich hätten sie ja “die CD oder den Film gar nicht gekauft”, sagen sie. Und lügen wahrscheinlich nicht mal.

Aber ich verstehe Eure Angst. Denn in Summe sieht das ganz bedrohlich aus. Aber wenn sich jemand nicht im Unrecht sieht, und man ihn dafür beschimpft und überwacht und mit drakonischen Strafen überzieht oder auch nur bedroht, die für den Bestraften in keinstem Verhältnis zu dem verursachten Schaden stehen, dann werdet Ihr auch keine Sympathien gewinnen.

Nochmal: Das mit dem Kopieren, das geht nicht weg. Der einziger Weg, das wegzubekommen ist über eine vollständige Kontrolle aller Kommunikationswege und aller Computer. Glaubt mir das jetzt einfach mal, das geht nicht, ohne dass wir einen kolossalen Kollateralschaden hätten. Und wenn wir bei der Überwachung nicht so weit gehen, dann sind die Lücken für die Freunde des freien Kopierens mindestens so groß wie Scheunentore, und nichts ist gewonnen.

Also muss eine Lösung her. Eine Lösung, bei der Leute frei kopieren, ohne dass dabei massenweise Gesetze folgenlos gebrochen werden – denn Gesetze, die keiner befolgt und deren Bruch niemand ahndet unterhöhlen das Staatswesen. (Und das konsequente Ahnden dieser Gesetze geht, wie ich eben ausführte, geradewegs dahin, wo wir nicht hinwollen.)

Die Piratenpartei hat, meines Wissens als erste Partei überhaupt, angefangen dazu pragmatische Lösungen zu entwickeln. Klar, diese Lösungen sehen ziemlich erschreckend aus Eurer Sicht aus. Sind sie wohl auch. Aber: Jetzt dafür den Boten der Nachricht zu beschimpfen ist nicht hilfreich. Helft uns doch lieber, eine bessere Lösung zu entwickeln. Oder redet mit irgendeiner anderen Partei Eures Vertrauens, und entwickelt mit der eine bessere Lösung.

Nur behaltet eines dabei im Kopf: Das Kopieren geht nicht weg, es sei denn Ihr errichtet eine lückenlose Überwachungsinfrastruktur. Und wenn das Eure Lösung ist, dann muss ich Euch doch die Freundschaft kündigen.

PS: Es gibt da noch einen Nebenkriegsschauplatz. Die Sache mit dem Remix, Mashup, Coverversion, Zitat, Bearbeitung, wie-auch-immer. Da geht es darum, dass sich weite Teile unserer Kultur eben mit solchen Dingen mehr oder weniger beschäftigt, und wir dafür einen sinnvollen rechtlichen Rahmen finden müssen. Das ist an sich auch ein weites und schwieriges Feld, aber auch ein anderes als die Sache mit dem Kopieren.


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Marina Weisband rantet ein wenig und fordert alle Piraten auf, eine Distanzierung zu unterzeichnen:

Ich fordere dazu auf, dass jeder Pirat sich deutlich, ohne Relativierung, distanziert von – Rassismus – Nationalsozialismus – Geschichtsrevisionismus – Antisemitismus – Islamophobie – Homophobie – Sexismus – und jedem weiteren Weltbild, das Menschengruppen ausgrenzt oder verachtet, wegen Dingen, für die sie nichts können.

Hmpf.

Warum “Hmpf” fragt Ihr? Da könnte ich doch gar nichts gegen haben. Bin ich etwa auch so ein elender Relativierer? Nein bin ich nicht. Ich spreche mich gerne, aus Überzeugung und mit vollem Herzen gegen all die genannten Dinge aus.  Allerdings bin ich es gründlich satt, dass man anscheinend ohne permanente und laute und möglichst markige Distanzierung ständig latent in irgendeine Ecke gestellt wird.

Ehrlich, das nervt hochgradig und ist in keinster Weise zielführend. Das ist auch der Grund, warum ich, trotz meiner Hochachtung vor dem Engagement und dem Mut der Antifa-Bewegung, mit dieser nichts anfangen kann.

Und jetzt konstruktiv: Wir führen bei der Mitgliederaufnahme keinen Gesinnungstest durch. Und ich hoffe, wir werden das auch nie tun. Ebenso hoffe ich, dass unsere Partei kein Mobbing duldet, und Leute nicht einfach rauskrakeelt, nur weil die mal “was dummes” sagen oder gesagt haben.


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