Orkpiraten

Thinking and Playing and Testing

Eigentlich bin ich ja ein hochzufriedener Google Mail Nutzer. Riesiges Mailarchiv, einfache Zugänglichkeit, prima Suchfunktion, Labels, Thread-View, Komfortfunktionen, über Tastatur bedienbar, funktionierende Spam- und Virenfilter und vor allem natürlich die weltweise Verfügbarkeit, im Gegensatz zu einem lokal installierten Mailclient.

Natürlich, wo viel Licht, da ist auch Schatten: Alle Emails, Kontaktdaten, etcpp liegen bei Google, mit allen Konsequenzen davon. Zusätzlich fehlt mir die Möglichkeit der Verschlüsselung.

Die Frage ist jetzt, gibt es da vernünftige Alternativen?

Ein idealer Web-Mailclient muss aus meiner Sicht folgendes können:

  • sauberes und schnelles UI
  • auch große Mailmengen verwaltbar halten
  • https-Unterstützung
  • Thread-View
  • Spamfilter
  • Mailfilter
  • vernünftige Anhangsverwaltung
  • Unterstützung von PGP-Verschlüsselung
  • Bonus-Level: Das Mailarchiv auf dem Server ist verschlüsselt abgelegt.

Für Vorschläge wäre ich dankbar, ansonsten müsste ich nämlich unter (vielen!) Umständen OpenXP auf einem Linux-Server installieren und ein ssh-to-web-Gateway dahin einrichten...


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Letzten Sonntag war ich ja nicht auf der Piratenpartei Wahlparty, sondern in einem alten Doppeldeckerbus quer durch den Kiez unterwegs – mit abfahrt1910.de. Das ist eine wirklich spaßige Aktion die Viva von Aqua unterstützen soll. Der Ablauf ist einfach: Einen Monat lang fährt jeden Tag um 19:10 der Bus los, an Bord hoffentlich gut gelaunte Leute, den einen oder anderen Promi und ein Motto oder Thema. Sonntag stellte die Rote Gourmet Fraktion die “Promis” (also Jörg und Ole), und das Motto hieß “Mundraub”. Ziel war es also, diverse Restaurants rund um St. Pauli anzusteuern um dort was zu futtern abzuholen.

So bekamen wir Curry-Suppe im Flachmann (RGF), Matjes auf Brot (Schlemmereck),  Schweinepastete, auch auf Brot (nil), Mexikaner (vom Sorgenbrecher), Blutwurstpasteten (Bullerei), kleine Schnitzel Wiener Art (schön arrangiert vom Freudenhaus), erstklassige Currywurst (vom Imbiss bei Schorsch) und Pralinen (Luxor) zum Abschluß. Dazu Kraut-Wine, Astra und spaßige Moderation. “St. Pauli schmeckt deftig”, wie Ole treffend meinte.

Kosten tat das  Ganze übrigens nichts, eine Spende für Viva con Aqua wurde aber erbeten (und gerne gegeben). Wer auf den Geschmack gekommen ist, der Bus fährt noch den ganzen Monat, frühes Kommen sichert einen Sitzplatz! Bilder gibt es übrigens in mieser Handyqualität hier.


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So übel steht die Piratenpartei ja gar nicht da. Zwei Prozent, dass ist mehr als die Grünen bei ihrer ersten Bundestagswahl mitnehmen konnten, und in Sachsen traten die Piraten nicht einmal an! Natürlich wäre mehr schöner gewesen, aber beim nüchternen Licht des Tages betrachtet, gibt es überhaupt nichts zu beklagen, sondern sehr viel zu feiern.

Nicht ganz so zu feiern ist der Gesamtausgang der Wahl: Vier Jahre Schwarz-Gelb, das können sehr finstere Jahre werden.

Andererseits hat die FDP jetzt tatsächlich die Gelegenheit die “Bewegung Piratenpartei” kaltzustellen. Die Liberalen sind theoretisch stark genug, um bei Koalitionsverhandlungen nicht umfallen zu müssen. Sie hätten genug Gewicht (immerhin stärker im Bundestag vertreten als die CSU) um ihre liberalen Kernforderungen auf die sie in der Zeit als Opposition so beharrt hatten jetzt auch durchzusetzen.

Guido Westerwelle sollte sich jetzt tatsächlich wie versprochen schützend vor die Bürgerrechte stellen, Ungetüme wie das Zugangserschwerungsgesetz oder die Vorratsdatenspeicherung zurücknehmen. Solche Taten würden der Piratenpartei sehr viel Zulauf nehmen, vielleicht sogar die ganze Bewegung einschlafen lassen. So sehr mich das als Pirat natürlich schmerzen würde, der Bürgerrechtler in mir würde es wohlwollend zu Kenntnis nehmen.

Realistisch wie ich bin, freue ich mich jetzt aber auf weitere Arbeit in der Piratenpartei. Parteitage wollen vorbereitet werden, die Basis muss “sich” und ihre Ideale finden, basisdemokratische Spielregeln wollen gefunden werden. Viel Arbeit, die aber hoffentlich 2013 in einem Ergebnis >5% mündet. :)


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Nachdem so ein Vorgehen schon vor einiger Zeit recht erfolgreich war, hat das BKA diese Woche eine zweite Videofahndung nach einem Pädophilen gestartet. Dumm nur, dass sich im Nachhinein herausstellte, dass der Täter schon vor Jahren verurteilt ist, eine Therapie besuchte und seitdem anscheinend auch nicht mehr rückfällig wurde.

Dass sein Ruf jetzt wieder ruiniert, gegen alle Gepflogenheiten unseres Rechtsstaates agiert, und auch die Opfer wieder mit aller Macht an ihr Leiden erinnert wurden fällt wohl unter “dumm gelaufen”. Heise.de nutzt dies um das BKA als solches zu diskreditieren, Fefe natürlich auch.

Und alle übersehen das naheliegende: Wie hätte das BKA das denn verhindern können? Es gibt keine zentrale Pädophilenkartei. Und bei der angeblichen Masse an Material wäre diese wohl auch kaum händisch zu konsultieren. Man müsste bei jedem Video akribisch kontrollieren, ob nicht eine abgebildete Person nicht schon irgendwann mal irgendwo auftauchte.

oh... moment mal, vielleicht ist das ja sogar so geplant?

Wahrscheinlich kommt als nächstes tatsächlich der Ruf nach solch einer Kartei, um die schon Verurteilten zu schützen. Und einmal eingerichtet, werden bestimmt auch andere an diesen Informationen Interesse haben. Am besten wird die Kartei gleich biometrisch aufgebaut, dann kann man gefundenes Material einfach mit der Datenbank automatisch abgleichen lassen. Und wenn man solch ein Verfahren erst einmal etabliert hat, kann man doch eigentlich auch die (biometrischen) Passbilder bei der Gelegenheit gleich ebenfalls mit abgleichen. Es ist doch zum Schutz der Kinder, da kann doch keiner was dagegen haben, oder?

Manch “dumme” Aktion kann so im nachhinein dann nämlich doch noch ganz nützlich sein...


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So, ich habe eine Nacht drüber geschlafen, Kommentare hier freigeschaltet, mich noch ein wenig aufgeregt, und ansonsten an der Antwort gefeilt.

Herr Nuhr ist sicherlich mit eher niedrigen Erwartungen an die Piratenpartei in diese Sache gegangen. Leider sind diese wohl “an diesem Wochenende von der Wirklichkeit bis zur Kenntlichkeit zerstört wurden...” wie er sich ausdrückt.

Er hatte “kübelweise Beleidigungen, Drohungen und wirre Aggressionsausbrüche” in seinem Postfach, und dazu noch eine Mail von einem “Funktionär der Partei” , die wohl das Fass zum überlaufen brachte. (Eine Einladung “zum Dialog”, die sowohl eine Andeutung zur vermeintlich eigenen Medienmacht enthält und gleichzeitig in sichtbarer Kopie an eine Zeitung geht? Ich bitte Euch!)

Er hat in seiner (eher knappen) Antwort an mich auch die (ausführliche) Antwort an eben diesen Funktionär beigelegt, in dem er darlegte, wie er die Piratenpartei und ihre Themen versteht, und warum er genau so geschrieben hat. Sie zeigt auf jeden Fall, dass eine Dialogbereitschaft und ein Interesse an der Piratenpartei zumindest bestand, beides aber durch die wüste Reaktion unserer Basis beinahe komplett eingestampft wurde.

Es folgt meine Antwort an ihn, in der vagen Hoffnung, dass einige andere auch etwas daraus lernen können.

Hallo,

jetzt, mit etwas mehr Zeit, kann ich Ihnen ausführlicher antworten.

Vorneweg: Ja, rund um die Piratenpartei hat sich in der Tat ein ziemlicher Chaotenhaufen angesammelt. Das wäre an sich nicht weiter schlimm, es sind ja auch viele gute Leute dazugestoßen, wenn sich die Partei nicht gleichzeitig der fast unbedingten Basisdemokratie verschrieben hätte, da darf nämlich jeder mitreden, die Kommunikation nach aussen wird auch kaum gefiltert.

Die Piratenpartei ist schlicht zu schnell zu groß geworden, und ihre Anhänger fühlen sich momentan stets in der Defensive. Haben sie doch jahrelang mit angesehen, wie Andere die Deutungshoheit in den Medien hatten.

Jetzt plötzlich selbst “laut” werden zu können, Mittel zu finden um sich Gehör zu verschaffen, das berauscht. Und leider können nirgendwo schneller Feindbilder aufgebaut und bedient werden als im quasi-anonymen Internet. Im Ergebnis schießen manche dann in ihrem Enthusiasmus quer, vergessen manche Regeln der professionellen Kommunikation und manchmal sogar des Anstandes. Daß versucht wurde, plump eine Zeitung in die Auseinandersetzung mit Ihnen über dieses Thema hineinzuziehen halte auch ich übrigens für schlechten Stil.

(Es ist fast schon Ironie, dass ich diesen Brief auf meiner Homepage veröffentlichen werde, um eben auch andere über meine Meinung aufzuklären.)

Das ist keine Entschuldigung für die Ansammlung von Mist in Ihrem Postkorb, sondern eine Erklärung. Seien Sie bitte versichert, daß es auch sehr viele andere Menschen in der Piratenpartei gibt, nur geht deren Stimme manchmal leider im Geschrei der anderen unter. Mir persönlich tut es jedenfalls sehr leid, dass sie solch einen Eindruck von der Partei und deren Sympathisanten bekommen mussten.

Sie können sich wahrscheinlich gar nicht vorstellen, wie sauer ich auf diese Leute bin. Wie kann ich Ihnen jetzt erzählen, dass Satire auch manchmal ein Stück zu weit gehen kann, ohne mich in den Chor der Merkbefreiten einzureihen? Wieso sollten Sie mich ernst nehmen?

Denn Sie haben ja Recht: Die Piratenpartei muss sich, wie jede andere öffentliche Gruppierung auch, der Satire stellen können. Und gerade als diejenigen, die Meinungsfreiheit propagieren, sollten wir eben auch Ihre Stimme gelten lassen.

Und natürlich weiss ich auch, wovon Sie sprechen; der Streit um die Downloads urheberrechtlich geschützter Werke waren ja der Auslöser für die Gründung der Piratenpartei in Schweden. Und es ist ein Thema das gut zieht. Allerdings haben wir tatsächlich den Anspruch, mehr als eine Filesharerpartei zu sein. Eigentlich versteht sich die Piratenpartei in Deutschland hauptsächlich als Bürgerrechtspartei. Da Sie es aber aufbrachten, möchte ich ein wenig mehr auf die Downloadgeschichte eingehen:

Den meisten Menschen in der Piratenpartei sind Urheber tatsächlich ziemlich wichtig. Viele von uns kommen aus der Open Source oder Creative Commons Bewegung. Dort steht meist nicht das einzelne Musikstück, das einzelne Programm im Vordergrund, sondern die Menschen und das Können dahinter. Man erkennt an, dass die meisten Werke auf den Schultern von Riesen stehen: Man ist beeinflusst von anderen Menschen, hat sich inspirieren lassen, oder gar andere Werke mittels eines Remixes mit aufgenommen.

(Wie viele Filme funktionieren heutzutage hauptsächlich über Zitate und Parodien?)

In dieser Kultur wird Geld nicht über den Verkauf von Kopien verdient, sondern über Auftritte, Dienstleistungen rund ums Werk, Merchandising, und so weiter. Fragen Sie mal Herrn Köhntopp.

Es ist eine Überzeugung, dass diese Weltsicht, diese Geschäftsmodelle grundlegend besser sind als der bloße Abverkauf von Datenträgern.

Gleichzeitig wird der Gesellschaft aber durch die Industrie ein sehr viel restriktiveres Modell vorgesetzt. Danach sollen die Möglichkeiten erworbene Kopien von Musik oder Filmen abzuspielen idealerweise komplett von den Rechteinhabern kontrolliert werden können. (Daß Amazon in der Lage war, erworbene & bezahlte elektronische Kopien von George Orwells “1984” einfach so von den privaten Lesegeräten zu löschen sollte einen aufhorchen lassen.)

Und das ist das Kreuz: Aus Kundensicht sind illegal erlangte Kopien einfach deutlich besser und vielseitiger als die legal erworbenen. Auf heruntergeladenen Filmen fehlt die Werbung, die man bei gekauften DVDs häufig nicht wegspulen kann, illegale MP3s kann ich überall abspielen, während von Sony gekaufte Audio-CDs teilweise sogar den eigenen PC quasi kaputt machten.

Und solange sich diese Situation nicht ändert, werden Leute weiterhin illegal kopieren. Nicht weil sie primär die Künstler um ihr Geld bringen wollen, sondern weil sie deren Werke ohne Stress genießen wollen.

Apples iTunes Store, Amazons MP3-Angebot oder auch das recht erfolgreiche Webangebot last.fm zeigen, dass die Bereitschaft für Inhalte zu zahlen durchaus da ist.

Allerdings halten die großen Rechteverwerter noch stark an ihren alten Geschäftsmodellen fest, und haben genügend Lobby in der Politik, sich diese durch immer restriktivere Gesetze sichern zu lassen – zu Lasten von Verbraucher- und Bürgerrechten.

Es fehlt aus unserer Sicht einfach jegliches Verhältnis zwischen dem Wert eines heruntergeladenen Musikstückes, und den teilweise drakonischen Strafen und Bürgerrechtseingriffe die dagegen eingesetzt werden.

Diese beiden Dinge zusammen, der Glaube, dass es ein besseres Geschäftsmodell für Kultur gibt, und dass eben dieses Verhältnis nicht mehr stimmt, diese haben die Piratenpartei entstehen lassen.

Das alles ist furchtbar kompliziert, schwer zu vermitteln und noch dazu kontrovers. Darüber darf und soll man sich dann auch gerne lustig machen, da habe ich persönlich überhaupt kein Problem mit, und die Piratenpartei sollte auch keines haben.

Anders sieht es bei der Sache mit der Kinderpornografie und in Verlängerung der Causa Tauss aus:

Namhafte Politiker aus fast allen “großen” Parteien hatten und haben teilweise immer noch keine Skrupel, die Gegner des (objektiv) gegen Kinderpornografie wirkungslosen und (aus unserer Sicht) schädlichen Zugangserschwerungsgesetzes allesamt als potentielle Kinderschänder zu diffamieren. Die Bedenken von weit über 100.000 Petitionsunterzeichnern (zu denen auch ich gehöre), also Menschen die sich eines demokratischen Instruments bedienten wurden einfach abgewatscht und ignoriert.

In deren Sprache, die häufig von den Massenmedien unkritisch übernommen wurde, war die Piratenpartei damit die Partei der Kinderpornounterstützer, ganz ohne Jörg Tauss, der da noch SPD-Mitglied war.

Die Wagenburg war also schon halb gebaut, der Ruf eh schon ruiniert. Als Jörg Tauss aus Empörung über das Abstimmungsverhalten der SPD aus seiner Partei austrat, und einen Mitgliedsantrag bei der Piratenpartei stellte, wurde nicht mehr lange überlegt:

Nach Satzung und den Grundsätzen der Partei konnte ihm die Aufnahme nicht verwehrt werden. Im Gegenzug konnten wir ebensogut umso beherzter für Grundrechte wie die Unschuldsvermutung einstehen und gleichzeitig von knapp 50 Jahren Politikerfahrung profitieren.

Ganz unabhängig von dem laufendem Verfahren, ist Jörg Tauss nämlich meines Wissens nach ein hervorragender Fachpolitiker.

Gut, er ist auch ein dickschädeliger Querkopf, mit manchmal recht wenig Fingerspitzengefühl. Aber er ist eben einer der wenigen Bundespolitiker, der sich schon seit buchstäblich Jahrzehnten mit Netzpolitik beschäftigt, der gleichzeitig sogar an den derzeit gültigen Strafrechtsteil hinsichtlich Kinderpornografie mitgeschrieben hat. Von seiner jahrzehntelangen Politikerfahrung mal ganz zu schweigen.

Eine junge Partei wäre blöd, sich solches Know How entgehen zu lassen.

Andererseits ist es gleichzeitig natürlich schon ein wenig politisch blöd, diesen Mann öffentlich zu präsentieren (wenn das durch die Partei auch gar nicht so viel war, Herr Tauss präsentiert sich hauptsächlich selbst), und damit ein gefundenes Fressen für Leitartikelschreiber und, ahem, Satiriker.

Dennoch bleibt, dass der Kinderpornovorwurf gegen die Piratenpartei halt sehr schmerzt. Gerade weil er, vom Selbstverständnis der Piratenpartei, genau das Gegenteil von den Zielen der Piraten verkörpert. Die fragt sich nämlich zum Beispiel, warum (privatwirtschaftlich geführte) Banken Kreditbetrügern im Internet weltweit innerhalb von 8 Stunden das Handwerk legen kann, unsere Polizei aber eine Kinderpornoseite angeblich nichtmal innerhalb einiger Monate aus dem Netz bekommt und nun auch noch per Gesetz Warnseiten für die Anbieter dieses Schmutzes aufbaut.

Im Ergebnis hoffe ich, daß die Piratenpartei als Ganzes etwas aus dieser Sache lernt: Mit Satire umgehen zu können, und die Trolle in den eigenen Reihen zu bändigen. Ich jedenfalls werde meinen Teil dazutun. Und Sie verstehen uns jetzt vielleicht ein klein wenig besser, und erwähnen die Piratenpartei auch in Zukunft mit spitzer Feder oder Zunge – nur eben ohne uns Kinderpornografie anzulasten.

bye, Christian Buggedei

PS: Hier oben in Norddeutschland nannten sich die Piraten um Klaus Störtebeeker übrigens “Liekedeeler” – “Gleichteiler”. Und es ist belegt, dass auf Piratenschiffen trotz aller Barbarei auch die ersten modernen Demokratien herrschten.

“Piratenpartei” ist ohne Zweifel ein Kampfbegriff, und wahrscheinlich tatsächlich ein wenig pubertär wie sie es nannten. Er nimmt aber eben nur den Namen auf, den die Musikindustrie den Nutzern angehängt hat. Nun versuchen wir, etwas positives daraus zu machen. Nicht immer wird die Partei diesem Anspruch gerecht, aber so schnell geben wir nicht auf. :–)


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Dieter Nuhr hat sich letzte Woche auf seiner Seite über den Wahlkampf und dabei auch über die Piratenpartei ausgelassen:

Sie haben Angst, dass man im Internet in Zukunft vielleicht keine Musik mehr klauen darf. Und dass man Kinofilme nicht mehr für lau vor dem Kinostart runterladen kann. Oder Kinderpornografie. Und das wäre ja schrecklich. Das wäre das Ende der Freiheit.

Dieter Nuhr ist, dass sollte man beim Lesen solcher Sätze im Kopf behalten, Kabarettist, oder Comedian, wie man heutzutage sagt.

Das bedeutet, dass er manchmal übertreibt, pointiert, oder sogar lügt, wenn es seiner Sache dient. Im Normalfall weiss das jeder, der einem Kabarettisten bei seinem Bühnenauftritt zuhört.

Im Internet vergessen manche Leute sowas gerne mal.  (Wühlt Euch beispielhaft mal hier durch. Ist aber auch viel kluges bei)

Schlimm ist, wenn es wahr ist, aber das hier:

Neuerdings beweisen auch die Piraten durch Drohungen, Beleidigungen und Nötigung, dass sie alles sind, aber keine Partei für zivilisierte Wähler. Es gibt einen großen Haufen adrenalingesteuerter Radikalgeiferer.

Das wäre wirklich schade. Die betreffenden Leute sollten sich was schämen! Wenn tatsächlich der Löwenanteil der Reaktionen aus “Drohungen, Beleidigungen und Nötigung” bestand, wurde die Chance auf einen Dialog sauber verbaut. (Viel zu viele Piraten und Piratenfreunde sehen sich meiner Ansicht nach eh viel zu sehr in der Defensive. Werdet mal locker, und lernt Gegenmeinungen und “feindliche” Polemik im Zweifelsfall gepflegt zu ignorieren.)

Ich habe Herrn Nuhr ja übrigens auch angeschrieben. Trotz meines Verständnis für Satire, obwohl ich es doch eigentlich als Ritterschlag ansehen sollte, wenn ein hochkarätiger Kabarettist sich der Piratenpartei annimmt:

Hallo Herr Nuhr,

bitte nicht von der Absenderadresse irritieren lassen – diese Domäne (orkpiraten.de) gibt es deutlich länger als die Piratenpartei, und hat namentlich eigentlich nichts mit ihr zu tun. :–)

Ein Mitglied dieser Partei bin ich trotzdem, sogar schon seit 2006. Gleichzeitig mag ich Satire, Humor und Comedy, daher verstehe ich natürlich auch, dass Ihr Tagebuch ja auch als solches mitverstanden werden will. Und jede Öffentlichkeit ist ja angeblich auch gute Öffentlichkeit. Aber es gibt auch Grenzen:

Die Piratenpartei will kein Geld, keine endlosen illegalen Downloads, keine Kinobesitzer in die Pleite treiben, und sie will auch garantiert keine Kinderpornographie im Internet. Und das letztgenannte ist meine persönliche Grenze; es sind schon erste Infostände von uns tätlich angegriffen worden. Nur weil verirrte Seelen meinen, die Piratenpartei sei eine Bande Kinderschänder in bunten T-Shirts. Traurig, aber wahr.

Ich persönlich glaube, dass sie die Ideen hinter der Piratenpartei gut finden (würden). Vielleicht können wir ein wenig miteinander plaudern, sei es per Email, Telefon oder auch persönlich, und ich erzähle Ihnen ein wenig mehr über unsere Partei?

bye, JollyOrc PS: Ich habe übrigens kein Amt in der Partei, und das ist keinerlei Aufforderung den Tagebucheintrag zu ändern, ergänzen, oder ähnliches. Ich bin auch nicht böse oder so, versprochen!

Ich glaube, dass ich ohne Drohung, Beleidigungen oder Nötigung ausgekommen bin, ja recht freundlich war. Als Antwort gab es bisher übrigens nur einen Autoresponder, in dem Dieter Nuhr auf sein allgemein hohes Mailaufkommen verweist und verspricht alle Mails zu lesen, aber nicht auf alle zu antworten. Das glaube ich ihm auch unbesehen. Ich hoffe nur, dass ihm dadurch auch klar wird, dass es die Piratenpartei wirklich ernst meint, und nicht aus Spinnern besteht.


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In der Grundschule besuchte uns in schöner Regelmäßigkeit ein Verkehrspolizist. Der war ein netter älterer Mann (wobei uns Knirpsen ja alle Erwachsenen sowieso immer “alt” vorkamen), trug eine beeindruckende grüne Uniform und hieß Herr Schaper.

Herr Schaper erklärte uns Ampeln, Verkehrszeichen, wie man in der Dunkelheit zwei Radfahrer von einem Auto auseinanderhalten kann, und all das andere nützliche Wissen um im Großstadtdschungel zu überleben. Ein- bis zweimal im Jahr wurden auf dem Schulhof ein paar Straßenzüge nachgebaut, mit Zebrastreifen und allem drum und dran. Da konnten wir dann auf Kettcars Straßenverkehr auch mal aus der anderen Sicht erleben.

Ich mochte Herrn Schaper, und durch ihn auch Polizisten im allgemeinen. “Die Polizei, Dein Freund und Helfer” war für mich nicht nur ein Spruch, sondern die Wahrheit.

Irgendwann später hörte ich dann vom Hamburger Kessel. Da wurden unschuldige Leute stundenlang dicht gedrängt auf irgendwelchen Plätzen zusammengepfercht. Nicht mal auf Klo durften die, das blieb mir besonders in Erinnerung. Dass das Einkesseln durch Polizisten geschah war mir zwar irgendwie klar, aber eigentlich auch wieder nicht: Die Vorstellung, daß jemand wie der nette Herr Schaper jemanden nicht aufs Klo lassen würde war dann doch zu absurd.

Auch die ganze Auseinandersetzung rund um die Hafenstraße war für mich recht diffus – obwohl es in der gleichen Stadt passierte in der ich wohnte, war es doch ein anderer Stern. Wer da genau gegen wen und warum “kämpfte”, ob die Hausbesetzer oder die Staatsmacht recht hatte, all das war mir damals gar nicht so wichtig; ich war so 10 bis 13, da hat man andere Prioritäten.

Doch irgendwann, so ganz langsam, hörte Herr Schaper auf, mein Bild von der Polizei zu prägen, und andere nahmen seinen Platz ein. Deren Namen kenne ich nicht, ich habe sie auch so gut wie gar nicht persönlich getroffen, und anders als der nette Verkehrspolizist meiner Kindheit sind diese Menschen mir gar nicht mehr sympathisch:

Seit ich eine eigene politische Meinung habe, mich über Protestaktionen der letzten 40 Jahre informiere, seitdem werden mir viele Einsatzkräfte der Polizei eher unheimlich.

Der erste Polizist der mir unheimlich war, war ein Chinese auf dem Hongkonger Flughafen. Der ging dort mit einem Kollegen Streife, und beide hatten eine Maschinenpistole in der Hand. “Wie soll ich mich sicher fühlen, wenn hier Leute mit schweren Waffen herumlaufen?” ging mir durch den Kopf. Und: “sowas haben wir ja in Deutschland zum Glück nicht nötig.”

Wenig später sah ich dann fast das gleiche Bild auf dem Münchner Flughafen, diesmal mit deutschen Polizisten mit Maschinenpistolen aus wahrscheinlich deutscher Fabrikation, und ich fühlte mich wieder nicht sonderlich sicherer.

Es folgten die üblichen Begegnungen mit Streifenpolizisten, wie sie jeder immer wieder mal hat, und alle diese Begegnungen waren freundlich und unaufgeregt.

Aber immer wieder sah ich auch Bereitschaftspolizisten am Rande von Demos stehen, in voller Kampfausrüstung. Und immer ertappte ich mich dabei, da lieber einen Bogen drum zu machen. Obwohl ich nichts verbrochen hatte, nicht mal bei den jeweiligen Demos dabei war. Aber die Jungs und Mädels sahen nicht entspannt aus, wirkten bedrohlich.

Meine eigene Meinung kippte dann anlässlich der Demos rund um Heiligendamm endgültig. Ich bekam live mit, wie die offizielle Berichterstattung, und die Erfahrungsberichte der Demonstranten vor Ort immer weiter auseinanderklafften. Polizisten waren definitiv nicht mehr “Freund und Helfer”, sondern ein geeignetes Mittel zur Einschüchterung und Unterdrückung. Das bedeutet nicht, dass die einzelnen Polizisten alle Spaß an Gewalt hätten, oder absichtlich “die Sau rauslassen”.

Aber den schwarzen Schafen wird es anscheinend viel zu einfach gemacht, den Ton anzugeben. Der “Korpsgeist”, festgefahrene Traditionen und engstirnige Vorgesetzte erledigen dann den Rest.

Polizisten sind nicht meine Feinde. Aber sie sind leider sehr häufig auch eben nicht mehr meine Freunde. Und sie wehren sich anscheinend mit Hand und Fuß gegen jede Regelung, die sie wieder zu solchen machen würde...


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Wie schon im Kommentar zum vorherigen Post erwähnt, ich habe eine Antwort bekommen. Freundlich im Ton, aber dennoch mit spürbarem Ärger. Hier mal ein Auszug (mit freundlicher Genehmigung von Herrn Nuhr):

Ihre Mail war die absolut einzige, die den Anspruch einer zivilisierten Auseinandersetzung erfüllte. Ich kann nur sagen, dass letzte Erwartungen an die Piratenpartei an diesem Wochenende von der Wirklichkeit bis zur Kenntlichkeit zerstört wurden...

Ich sitze jetzt beim Rollenspiel, werde mich also hinterher ausführlicher drüber aufregen. Aber ich habe keinen Grund an dieser Aussage zu zweifeln, und frage mich, WAS IHR DA DRAUSSEN EIGENTLICH ALLE FÜR DUMME ARSCHLÖCHER SEID?!? Der hat sogar eine Mail von einem Offiziellen der Partei bekommen, die nicht sonderlich freundlich war. Und Ihr regt Euch über dumme Abmahnungen auf und verlangt höfliche Mails stattdessen?!

Mehr morgen oder noch heute Nacht.

(edit, ein “nicht” nachgetragen)


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ohne Worte:


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