Orkpiraten

Thinking and Playing and Testing

Sehr trocken zitiert & kommentiert Spiegel Online hier:

Seine spätere Flucht vor der Polizei und die Geiselnahme mit vorgehaltener Pistole gleicht dem Gutachter zufolge “dem Handlungsschema aus 'Far Cry 2'”. Geiseln kann der Spieler in “Far Cry 2” allerdings nicht nehmen.

Kann man nach solch einer Feststellung nicht eigentlich das gesamte Gutachten in die Tonne treten?


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Gwenn nimmt Three Strikes mal genauer unter die Lupe, und zeigt die Konsequenzen auf, weit ausführlicher und klarer als ich es vor ein paar Monaten gemacht habe:

  • Der Betroffene kann nicht mehr an modernen Kommunikationsmedien teilnehmen, er wird von einem großen Teil seines Freundeskreises bzw. der Gesellschaft kommunikativ abgeschnitten – Der Betroffene kann seine Geräte fortan nicht mehr auf dem Stand der Technik halten, da Updates heute fast ausschließlich online geliefert werden – Der Betroffene kann nicht mehr an dem meistumkämpften, modernen Markt teilnehmen, der die klassischen Vertriebswege aktuell in großem Maße verdrängt, er ist also in vielen Punkten gezwungen, höhere Preise zu bezahlen, kann schlechter Produktvergleiche anstellen – Der Betroffene kann sich nicht frei innerhalb der aktuellen Medienlandschaft informieren, sondern ist auf klassische Medien angewiesen. Der öffentliche Diskurs verlagert sich jedoch zunehmend in die digitale Welt – Der Betroffene hat keine Chance mehr, sein Image Building in der digitalen Welt zu fördern, was bald einem wirschaftlichen Selbstmord gleichkommt, da bei der Arbeits- und Projektvermittlung die digitalen Medien eine zunehmende Rolle spielen

Diese Argumente sollten jedem der von solchen Unsinn faselt mit Rotstift auf die Augenlider getackert werden, nur damit denen mal klar wird, womit die da eigentlich so leichtfertig hantieren wollen.


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Daß die Piratenpartei den “bekannten Kinderschänder” Jörg Tauss als Mitglied begrüßt hat, wird ihr ja gerne zum Vorwurf gemacht. Sei es, weil sie damit politisch unklug gehandelt hätte, mediengeil sei, oder eben tatsächlich selbst nur aus Pädophilen bestünde.

All diesen Kritikern lege ich einmal die Lektüre dieses Artikels in der Stuttgarter Zeitung ans Herz. Ob Tauss wirklich pädophil ist oder nicht, bleibt mal dahingestellt. Viel erhellender ist folgendes:

Ihr [der SPD] wollte er beweisen, dass die Stoppschilder auf den Internetseiten Unfug sind, weil die eigentlichen Geschäfte übers Handy und den Postweg laufen. Eine Einschätzung, die viele Experten teilen, die auch in seiner Partei mehrheitsfähig war – bis zu jenem 5. März, als Klaus Uwe Benneter in der Sitzung erschien, in der Tauss die Genossen gegen die Familienministerin einschwören wollte.

Es sei “etwas Unangenehmes” passiert, sagte der Fraktionsjustiziar, er müsse mitkommen, die Kameras warteten schon. Danach war das Gesetz – das Einfallstor für weitere Verschärfungen – durch, mit den Stimmen der SPD. Eine Schlagzeile in der “Bild”-Zeitung, nach dem Motto “SPD tut nichts gegen Kinderpornografie”, hätte sich die Partei nicht leisten können, wurde ihm zu verstehen gegeben.

Ja, Jörg Tauss hat durch seine Dämlichkeit seinem (und unserem) politischen Anliegen sehr geschadet. Hoffentlich lernt er etwas daraus.

Aber noch mehr geschadet, und das ist der eigentliche Skandal, hat die Tatsache, daß die Unschuldsvermutung in unserem Land bei weitem nicht mehr das Gewicht hat, das sie haben sollte. Und um diesem Trend mit aller Kraft entgegenzutreten, hat die Piratenpartei Jörg Tauss mit öffentlicher Bekanntmachung aufgenommen.

(Aufgenommen hätte sie ihn im übrigen auf jeden Fall, er ist fachlich qualifiziert, bringt Jahrzehnte Politikerfahrung mit und identifiziert sich mit den Themen der Partei. Wie es weitergeht, wenn sein Fall irgendwann einmal vor Gericht verhandelt wurde, wird die Zukunft zeigen.)


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Bevor ich mich etwas länger über Steinmeiers “Medienpolitik” auslasse, hier kurz ein Fundstück aus Zeit-Online: Warum ich nicht Ingenieurin geworden bin – obwohl ich fast alle Voraussetzungen erfüllte. Ein Erfahrungsbericht.

Leider geht der Artikel ü-ber-haupt-nicht auf die Überschrift ein. Heike Solga fängt zwar an, von ihrem ach-so-mathematisch-technischen Elternhaus und ihrer eigenen Begabung für Technik zu erzählen, führt dann aber nur noch Studien, Statistiken und, mit Verlaub, Polemik auf.

Kein Wort darüber, warum sie nun wirklich stattdessen Geschichte studiert hatte, was genau die junge Frau die sie mal war vom Ingenieursstudium abgehalten hatte. Einzig ein diffuses Gefühl von “schlechteren Aufstiegschancen” hätte sie abgehalten. Und da wundern sich Leute, dass in der (natürlich eher technik-affinen) Piratenpartei kaum Frauen vertreten sind...


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Carta.info habe ich ja in kürzester Zeit als sehr lesenswertes Online-Magazin schätzen gelernt.

Heute nun wurde dort ein Gastbeitrag von Frank Walter Steinmeier veröffentlicht: “Die Beziehung von Medien und Demokratie ist heute manchmal brüchig” Insgesamt ist es ein Abriss der medienpolitischen Absichten der SPD, eingeleitet von einer knappen Analyse des Ist-Zustandes.

Ganz richtig erkennt Steinmeier, dass Demokratie und Medien einander brauchen, ja die Demokratie funktionierende kritische Medien zwingend zum Leben braucht. Ebenso treffend kommt er zum Schluss, dass dieses auch für die Medien im Internet gilt:

Das gilt es auch im Zeitalter des Internets zu bewahren und neu zu schaffen. Auch wenn sich Öffentlichkeit heute längst in zahllose Teilöffentlichkeiten verwandelt und sich fallweise nur noch mit Alterskohorten oder Milieus verbunden hat, bleibt Öffentlichkeit als Demokratie begründendes Ganzes, als gesellschaftliche Zielvorstellung gültig.

Dass man die Medien nur eingeschränkt dem freien Spiel des Marktes überlassen darf ist, gerade aus klassisch-sozialdemokratischer Sicht sicherlich korrekt. Eine Konzentration der Meinungsmacht auf wenige Akteure kann schnell gefährlich werden. Die geforderte Balance zwischen Kultur- und Wirtschaftsgut ist dann sogar fast schon piratig.

Kurz danach wird es jedoch eher gruselig, dann zählt Steinmeier nämlich auf, was er, bzw. die SPD konkret vor haben:

  • Er spricht von einem zeitgemäßen Medienkonzentrationsrecht, warnt vor ominösen “Vermachtungsstrukturen” und vor Google. Was er genau damit meint, schreibt er nicht, aber es erinnert sehr an die Hamburger Erklärung. Damit zeigt er gleich am Anfang auf, dass er eher die Interessen der großen Verlage schützen möchte, statt denen der Medienempfänger oder gar der Öffentlichkeit.
  • Die Forderung von “Breitband für alle” ist Wahlkampf pur, dennoch natürlich begrüßenswert.
  • “dpa als (gemeinnützige?) Stiftung” ist eine grandiose Idee. Völlig chancenlos, aber grandios.
  • Nachdem er im Internet Medienkonzentration fürchtet wie der Teufel das Weihwasser, ist das offline, im Zeitungsgewerbe offenbar vollkommen in Ordnung: Das Pressefusionsrecht sollte gelockert werden, und tatsächlich, die Forderungen der Hamburger Erklärung werden im Kern vollkommen übernommen. Damit wird zwar die Medienwirtschaft geschützt, nicht aber die Meinungsfreiheit oder gar der Qualitätsjournalismus.
  • Welche “verdunkelnden” Missbrauchsmöglichkeiten bei Internetangeboten er im nächsten Punkt mit noch einem Rechtsrahmen für Internetangebote vermeiden will ist wieder einmal vollkommen unklar. Herrn Steinmeier wahrscheinlich auch, aber so erscheint er als der starke Mann, der auch etwas tut.
  • Mit welchen Anreizen private TV-Sender dazu gebracht werden sollen, “ihrer öffentlichen Aufgabe mehr als bisher nachzukommen” bleibt auch (wohlweislich) unerwähnt.
  • Ich frage mich auch, wo Herr Steinmeier die Gefahr sieht, dass das die “Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks [...] auf eine abschüssige Bahn” kommen könne. Die eingehenden Gebühren sind schon seit Jahren auf hohem bis steigendem Niveau.
  • Ein Medienatlas ist sicherlich interessant, aber im Endeffekt der unspannendste Vorschlag des Kanzlerkandidatens.

Im Fazit erklärt er, dass all diese Maßnahme ein Ziel hätten:

“Die Leistungsfähigkeit des deutschen Mediensystems wenigstens auf dem heutigen Stand zu erhalten, besser noch, auszuweiten.”

Man beachte, dass er hier nicht mehr von der “von den Medien hergestellten und getragenen Öffentlichkeit” spricht. Die ist dem Medienystem nämlich eigentlich egal, solange Geld mit Medien verdient wird. Aber die müsste er fördern, wenn er sein Ziel wirklich erreichen will.


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Schlagt mich, aber ich habe etwas übrig für hässliche Raumschiffe in der Science Fiction. Häufig werden diese den Menschen/Terranern/Taori zugeschrieben, die erbeutete oder gerade mühsam erlernte Technologie irgendwie zusammenklöppeln und eher mit brachialer Gewalt denn mit Eleganz erst in den Orbit und dann in gleich in die nächste Raumschlacht befördern.

Ich weiss nicht genau, was es ist, aber ich freue mich immer besonders, wenn solche Ungetüme in Büchern beschrieben oder in Sci-Fi Serien und Filmen auftauchen. Klar, ich mag auch elegante Allsegler oder fantastische lebende Schiffe, aber Klötze wie PRAETORIA oder das erste Hyperraumschiff aus Stargate sind für mich immer etwas ganz besonderes. Es ist dieses immens pragmatische, der vollkommene Verzicht Sieg von Funktion über Form, gepaart mit der meist unausweichlichen Grobschlächtigkeit.

Allerdings möchte ich solche Ungetüme bestimmt auch nicht immer sehen, sie sind idealerweise immer Prototypen, Außenseiter und nicht selten mit zig Unzulänglichkeiten und Nachteilen behaftet.

Alle Hobbypsychologen unter meinen Lesern rate ich, da jetzt nicht drüber nachzudenken. Ich wollte das ja nur mal gesagt haben. :)


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Hah!

Im Laufe der Woche dachte ich mir während des Aufenthaltes in Wiesbaden noch, daß ich irgendwie ein oder zwei Piratenplakate organisieren müsste, um die bei mir zuhause im Märchenviertel Schnelsens aufzuhängen.

Und als ich heute abend aus dem Bus stieg, was strahlte mich da an?

Plakat4Web

Gibt wohl mindestens noch einen aktiven Piraten im Stadtteil! :)


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Gerade gelesen:

Piraten sind qua Definition keine Gentlemänner. Es wäre naiv, darauf zu hoffen, dass sie sich darum scheren, wie es anderen geht, zum Beispiel Frauen. Piraten fühlen sich grundsätzlich für andere nicht zuständig. Zum Beispiel hat mir einer auf eine Mail, in der ich sie für ihre Männerlastigkeit kritisierte, geantwortet, gerade ich als Feministin müsste doch bei ihnen eintreten, um gegen diese Männerlastigkeit etwas zu unternehmen. Das ist natürlich nur eine Variante des allgemein weit verbreiteten Satzes, mit dem feministische Anliegen heute gekontert werden: Ihr Frauen seid doch selbst schuld.

Fairerweise, muss ich sagen, dass es im verlinkten Artikel das Wort “Piraten” in vielerlei Kontext, und nicht nur für Mitglieder der Piratenpartei verwendet wird. Und die Piratenpartei hat mit Piraterie in jeglicher Hinsicht auch nichts zu tun. In dem zitierten Absatz wird aber sehr wohl von der Piratenpartei gesprochen.

Und da rege ich mich gerade ein klein wenig auf. Nur weil keine Frauen in die Partei eintreten, sind dieser Frauen egal? Also wirklich, das ist doch an den Haaren herbeigezogen. Die Piratenpartei nimmt Frau wie Mann mit Kußhand als Mitglied auf, sofern ein Bekenntnis zur Satzung der Partei vorliegt – und das schließt nur undemokratisches und zB rechtsradikales Gedankengut aus. Die Partei kann doch nicht losgehen und Frauen als Mitglieder zwangsverpflichten, die müssen wirklich selber eintreten. Nicht weil sie sonst nichts zu sagen hätten, oder weil ihre Agenda sonst nie berücksichtigt wird, sondern weil ich hoffe, dass auch ihnen die Themen wie Datenschutz, Bürgerrechte, Transparenter Staat und faire Bildung wichtig sind.

Ja, feministische Themen stehen nicht im Programm, genausowenig wie Umwelt, Außenpolitik oder dem Gesundheitswesen. Nicht weil es uns nicht interessiert, sondern weil es nicht Kernkompetenz ist. Wenn jetzt aber “haufenweise” Leute mit solcher Kompetenz eintreten, und auf dem nächsten Bundesparteitag eine Mehrheit finden (was ich nicht für ausgeschlossen halte), dann kann auch so etwas Programm der Piratenpartei werden.

Aber Kritik an der Männerlastigkeit der Piratenpartei per se lasse ich nicht gelten: Mir ist kein Fall bekannt, in dem es irgendein Auswahlverfahren gegeben hätte, das Frauen als Mitglieder oder Parteiorgane benachteiligt hätte. Und Anicatha als Spitzenkandidatin der Schleswig-Holsteiner Piratenpartei ist sicherlich keine Quotenfrau, sondern eine engagierte Person mit klaren Zielen.

Edit: In dem Beitrag bei daniola wird ja ein 'Maskulist' zitiert, der die Piratenpartei als Basis für 'männerspezifische Probleme' sieht. Sehe ich nicht so, und ich kenne auch keinen Piraten persönlich der das so sähe. Allgemeiner PP-Forumsdisclaimer ist ja eh, dass dort auch nicht-Piraten posten dürfen, insofern sind alle Inhalte, die sich dort, aber nicht im Wahlprogramm oder der Satzung finden mit äusserster Vorsicht zu genießen.


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hahahaha!

Bin gerade über das Blog von OKCupid gestolpert. OKCupid ist noch so eine der unzähligen Internet-Dating-Seiten, dabei anscheinend recht webzwonullig, und eher auf Amerika ausgerichtet.

Die Admins dieser Seite haben anscheinend großen Spaß, das Verhalten ihrer User statistisch auszuwerten. Ihre Systeme erlauben anscheinend auch ausgetüftelte Abfragen wie “Dauer der Nachrichtenerstellung in Relation zur Antwortrate”, und ähnliche Scherze. Datenschutzfragen mal beiseite, ist das a) sicherlich großer Spaß und b) seltsam erhellend. Frauen brauchen anscheinend einfach nur irgendwas schreiben, Länge egal, Männer am besten so um die 200 Worte. Und dann gibt es noch die Tabelle mit den Begriffshighlights:

hist-big

Der Mann, der “haha, I'm sorry if this is awkward, but I have an awesome zombie band tattoo. Are you as interested in literature about piercings as I?” als Kontaktsatz rausschickt gewinnt ganz bestimmt viele-viele Herzen!


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Habe gerade die letzten 30 Sekunden bei Sat1 gesehen. Mehr hätte ich auch nicht ertragen. Und so kann ich den folgenden Twitter-Kommentaren eigentlich nur zustimmen:

twitterstuffZum Ende durfte Frau v.d.Leyen nämlich unwidersprochen die Lüge über die “wir-ächten-keine-Kinderpornos”-Länder verbreiten. Was mich daran am meisten stört ist nicht diese Penetranz und Beratungsresistenz, oder die Sache mit der Zensur...

...es ist dies: Wenn ich Politiker in wirklich hohen Ämtern bei solch dreisten Lügen erwische, nur weil ich mich selbst zufällig mit einem Thema genauer auseinandergesetzt habe, bei wie vielen Sachen belügen die mich noch?!

Gleichzeitig hat “Die Linke” in drei Landtagswahlen übrigens nicht einmal unter 20% abgeschnitten, ein Ergebnis, dass die SPD nicht für sich beanspruchen kann, und die Piratenpartei hat sich mindestens ihren ersten demokratisch erworbenen Sitz in einem Parlament gesichert. Herzlichen Glückwunsch an die Münsteraner Piraten!

Update: [In Aachen gibts auch einen Sitz](http://www.piratenpartei.de/Pressemitteilung/PiratenparteierobertStadtratssitzeinNRWGutesErgebnisinSachsen), hurra! :)


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