Orkpiraten

Thinking and Playing and Testing

Wenn ich als Kind bei meiner Omi übernachtete, roch es abends immer nach Nivea. Denn es gehörte zu ihrem allabendlichen Pflegeritual sich das Gesicht dick damit einzucremen. Davon ließ sie sich nie von abbringen, und ich war irgendwie stets davon überzeugt, dass meine Omi alleine wohl mindestens die Hälfte der Beiersdorfer Jahresproduktion verbraucht hat.

Bei meiner Omi zu übernachten war immer toll: Wir bekamen Geschichten vorgelesen, durften den gemusterten Teppich als Straßennetz für die Matchbox-Autos zweckentfremden und es gab auch immer eine Tafel Schokolade.

Nur das Aufwachen am nächsten Morgen war gemein: Omi bestand nämlich darauf, uns gleich, also noch im Bett, mit einem eiskalten Waschlappen abzureiben. Hält sicherlich gesund, aber eine heiße Dusche ist mir immer noch zig mal lieber.

Am Donnerstag hat sie dann im Bett des Veteranenheimes mit Genuss noch einen ganzen Becher Eiskrem verdrückt. Seitdem gar nichts mehr, sie hat jegliche Nahrung abgelehnt.

Und heute, um 14:50 hat sie dann auch aufgehört zu atmen. Augenscheinlich ohne Mühe, und ohne Leid.

“Schau mal, wie glatt ihre Haut immer noch ist”, meinte meine Mutter anschließend zu mir. “Ja, das verdankt sie sicherlich all der Hautcreme.” antwortete ich.

Ich werde Dich vermissen Omi.


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seit Monaten frage ich mich, warum (nicht nur, aber besonders) meine eigene Webseite auf dem Arbeitsplatz hier beim Kunden so richtig Scheiße aussieht. Heute Morgen ist es mir dann endlich eingefallen. Kurz ClearType auf dem alten Windows XP System installiert, und schon ist der Augenkrebs weg. Puh...


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hui... ich hätte nicht gedacht, dass mein kurzer Post zu dem NDR-Bericht soviel Wind in meinen Kommentaren erzeugt. Und auch der NDR selbst reagiert: Piratenpartei: Humor ist, wenn man trotzdem lacht.

Quintessenz der Reaktion: Die Piraten sollen sich mal nicht so haben, bedingungslose Sympathie gibt's halt nicht, und Satire wird eben auch nicht vorher angekündigt, siehe Extra3.

Autsch. Also, diesen Beitrag mit Extra3 zu vergleichen ist ja schon dreist. Und Satire setzt eben auch voraus, dass man da etwas satirisches zu sagt, man mehr macht, als einfach nur peinliches Material zu senden. Ich bin ein großer Freund der Satire, und wage sogar zu behaupten, dass die meisten Piraten über einen gut gemachte Satirebeitrag über all die Pirateneigenheiten herzlich lachen werden.

Das war aber keine Satire, das war auch gar nicht lustig, das war Fremdschämen und Peinlichkeit. Zumal ein guter Teil der dargestellen Peinlichkeiten ja nun auch erst durch das Drehteam erzeugt wurde. (“Drehen wir doch im Keller, da ist es besser, und wir zeigen auch nicht den Hintergrund”)

Es ist also schlechtes Fernsehen. Ich konnte da nicht drüber lachen – nicht weil Piraten doof dargestellt werden, sondern weil der Beitrag schlicht nicht lustig ist. Wie auch in meinen Kommentaren angemerkt wurde: Schaden wird das den Piraten sicherlich nicht.

Zum Schluss meine Bitte an all die, die sich mit Humor und Satire auskennen: Bitte macht mal eine richtige Satire über die Piratenpartei. Angriffsflächen gibt es da genug, sei es die innerparteilichen Debatten, die Gendersache und was weiss ich nicht noch alles. Und seien es auch nur “lustige Fotomontagen”, wie hier bei Extra3.


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also, sowas geht ja nun ü-ber-haupt nicht. Schaut mal hier beim NDR. Oh wie lustig, inkompetente Möchtegernpolitiker im Hobbykeller.

Und dann lest den offenen Brief von Jonathan Maurer, der bei dem Interview dabei war:

Damen und Herren des NDR, sehr geehrte Leser (geschlechtsneutral),

vorab sei gesagt, daß dies hier meine private, persönliche Meinung als Mitglied der Piratenpartei Bremen darstellt und nicht die Meinung der Piratenpartei Bremen ist.

Am Montag, 10.10.2011 durften wir Piraten in Bremen ein Team von Ihnen in unserer Geschäftsstelle begrüßen.

Sie waren freundlich, nett, haben viele Fragen gestellt und auch viele freundliche Antworten erhalten. Sie wurden höflich behandelt und selbst nachdem wir den Stammtisch eigentlich schon beenden wollten haben wir uns noch ein paar Themen gesucht über die wir sprachen, damit das TV-Team noch etwas mehr Bild- und Tonmaterial bekommt.

Die Interviews wurden auf Bitte Ihres Teams in unserem Materialkeller geführt, da dort mehr Ruhe war als in der anspruchsvoll gestalteten Geschäftsstelle selbst, wo sich zum Zeitpunkt des Eintreffens noch ca. 30 Personen aufhielten und es unten ruhiger war. Es wurden noch Flaggen aufgehangen um etwas anderes im Hintergrund zu haben als die nackte Wand, der Kameramann hat, zumindest bei einem Blick von mir durch den Sucher, auch schön auf Portrait gezoomt, sodass ausschliesslich der Oberkörper und Kopf vor den Flaggen zu sehen war.

Mitglieder des Vorstandes wurden über einen längeren Zeitraum interviewed, es gab einige Fragen von Ihnen und viele Antworten von uns – zu jedem Thema.

Die Bitte, ob wir die Rohdaten der Sendung erhalten könnten wurde von Ihrer Reporterin negativ beschieden, jedoch können wir gerne einen Mitschnitt der Sendung selbst erhalten.So weit, so gut.

Ich habe mir Ihre Ausstrahlung am gestrigen Abend angesehen. Was Sie aus dem vorhandenen Material, welches über 1,5 Stunden beinhalten dürfte, in die 2:42 Minuten geschnitten haben ist in meinen Augen eine Respektlosigkeit sondergleichen, meine Enttäuschung über Ihren Sender, welchen ich bislang als seriös eingestuft habe, ist kaum in Worte zu fassen.

Zu etwaigen Kritikpunkten über uns: Richtig ist, daß wir keine Medienprofis sind. Noch nicht.

Richtig ist auch, daß wir alle, ausnahmslos alle, die Tätigkeiten bei der Piratenpartei ehrenamtlich ausüben.

Ebenfalls korrekt ist, daß wir nicht spontan direkt über jeden Punkt in unserem sehr umfangreichen Programm Auskunft geben können, wollen und werden.

Richtig ist ebenfalls, daß wir Fehler gemacht haben: keine Fragen bei Ihnen eingefordert, nicht selbst den Ort der Interviews vorgegeben, nicht die Sendung vor Ausstrahlung geprüft und die Ausstrahlung ggf. untersagt.

Nun zur Kritik an Ihnen: Richtig ist, daß wir keine Informationen vorab hatten, welche Fragen gestellt werden. Eine Sache, welche die Höflichkeit gegenüber dem Gesprächspartner im Regelfall gebietet und von Ihnen (wissentlich und absichtlich?) ignoriert wurde. Danke dafür.

Richtig ist ebenfalls, daß wir nicht darauf bestanden haben, die Interviews in unseren Geschäftsräumen zu führen, sondern aus Höflichkeit Ihrem Team gegenüber der Bitte Ihres Teams entsprochen haben, diese im Keller zu führen, da es dort ruhiger ist. Dies wurde von Ihnen respektlos und unhöflich negativ ausgeschlachtet. Seriös ist das nicht.Ihr Team bat um mehr Zeit und Unterstützung für weiteres Bild- und Tonmaterial. Wir haben uns, obwohl wir den Stammtisch ansich für den Abend beenden wollten, erneut zusamengesetzt und über weitere Themen unterhalten. Welche genau dürften Sie sehr gut wissen – es sei denn es haben unfähige Praktikanten diesen Beitrag zusammengestellt, geschnitten und die Redaktion gepennt. Unfähig, ehrlos, respektlos, unhöflich, unseriös.

Unglaublich, daß soetwas vom NDR kommt, bei gewissen privaten Sendern kann man mit soetwas rechnen, selbst von Amateuren bin ich jedoch besseres gewohnt. Ihr Beitrag strotzt vor Unhöflichkeit und unseriösem inkompetentem Journalismus.

Wir haben Ihr Team freundlich und höflich behandelt und so wird es gedankt? Ein Fehler, der mir persönlich sicher nicht erneut unterlaufen wird.

Zugegeben, ich bin einfacher Pirat und auch ganz zufrieden damit. Die Entscheidung über weitere Maßnahmen zu diesem Faux-Pas des Journalismus steht anderen zu. Für mich kann ich nur sagen, daß ich den NDR zukünftig meiden werde.

Gez.

Jonathan Maurer Mitglied der Piratenpartei Bremen

Und da fragen sich manche, warum Leute den öffentlichen Rundfunk nicht leiden können...


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Fefe zitiert genüsslich aus der neuesten Pressemitteilung der Deutschen Polizeigewerkschaft:

Die DPolG Berlin warnt überdies vor den gefährlich scharfkantigen Namens- oder Nummernschilder “. Damit können ohne weiteres Kolleginnen und Kollegen lebensgefährlich verletzt werden.

Das Ganze illustrierten die Jungs dann auch auf einer Pressekonferenz indem sie ein Eisbein mit dem Namensschild anschnitten. Kein Witz. Und 1. April ist auch nicht.

Liebe Deutsche Polizeigewerkschaft,

wie bitteschön soll ich Euch jemals wieder ernst nehmen können? Ganz ehrlich, das kann ich jetzt nicht mehr. Wie in #offtopicana so schön gesagt wurde:

Wenn sich Polizisten mit einem Namensschild gegenseitig umbringen möchte ich bitte, dass denen die Waffe weggenommen wird...

Mir fallen da zwar wirklich noch viele-viele böse Witze ein, aber nichts, aber auch rein gar nichts konstruktives mehr. Seht es endlich ein, dass der Rechtsstaat jetzt auch bei der Polizei ankommt. Anderen Zielgruppen würde ich jetzt sagen “geht bitte sterben”, aber ich fürchte, Ihr versteht das dann falsch...

Eine Bitte an alle Medien, egal ob Blogs, Fernsehen, Zeitungen, Radio, whatever: Bitte bitte verbreitet diese Pressemitteilung und zeigt ganz doll hämisch mit dem Finger drauf.


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Isotopp hat einen neuen Lieblingsfeind: Das Datenschutztheater der deutschen Datenschützer. Recht hat er ja...

Passend packt er die meisten dieser Beiträge in die Kategorie Spackeria, und  zeigt damit wirksam auf, worum es dieser “angeblichen Post-Privacy”-Gruppierung wirklich geht: Datenschutz endlich wieder als das wahrnehmen, worauf es eigentlich ankommt, und dabei die alten Zöpfe abzuschneiden.

Nicht “jeder soll alles wissen!11elf”, sondern eine Rückbesinnung darauf, was wirklich zu schützen ist, was sich überhaupt schützen lässt, wie man es dann auch schützen kann, und vor allem: Warum man etwas schützen will bzw. muss. Gerade letztere Frage wird viel zu selten gestellt, und ist doch so immens wichtig für die Entwicklung einer Gesellschaft...


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Ach wie nett: Ein Spammer verzeiht mir, dass ich ihn Spammer genannt habe.

Ok, jetzt mal ernsthaft. Was ist Spam? Spam ist, wenn Fremde mir ungefragt Dinge in eine meiner Inboxen legen und dabei nur oder fast nur das Ziel haben, mich auf ihr Angebot aufmerksam zu machen. Art der Inbox oder des Angebotes ist dabei komplett egal.

Dabei ist es auch völlig unerheblich, ob der oder die Fremde das “nett meinte”, oder ob mich das Angebot vielleicht doch interessieren könnte. Besonders verärgert bin ich dann, wenn

  • der Spam automatisiert kommt
  • der Spam zwar nicht automatisiert, aber erkenn- und vorhersehbar völllig an meinen Interessen vorbeiläuft.
  • der Spam einen Kommunikationskanal zweckentfremdet (mehr dazu gleich)
  • der Absender offensichtliche Warnhinweise ignoriert.

Bei Google+ bekomme ich derzeit immer mehr Spam der in die letzten beiden Kategorien fällt. Dort haben nämlich Leute herausgefunden, dass man ja Leute einzirkeln kann, die damit eine Meldung bekommen, und dann mal auf das eigene Profil schauen. Selbst wenn die nicht zurückzirkeln, man hat mindestens einen Kontakt bekommen, vielleicht schauen die auch mal auf der Webseite vorbei, und der Name wurde mal gehört. Oh, und man wird in deren Profil zurückverlinkt, unter “Leute, die xyz im Zirkel haben.”

Mit Glück folgen die blind zurück, das eigene Profil wird aufgewertet und man hat einen weiteren Empfänger, also seine Reichweite erhöht.

Im schlimmsten Fall blocken die einen, dann hat man auch nix verloren.

Der einzige Nachteil ist, dass man sowas bei Google+ noch nicht automatisiert machen kann, aber wofür hat man Praktikanten?

Soviel zur Seite des Spammers. Doch wie schaut es beim Empfänger aus?

Der bekommt, je nach Google+-Einstellungen, ein bis einunddrölfzig Mitteilungen in seine Emailbox, seine Google+-Seite, sein Handy, vielleicht noch auf sein Tablet, im besten Fall sogar noch eine SMS. Ja, wenn man nicht sofort blockt, dann blendet Google+ derzeit diese “foo hat Dich zu einem Circle hinzugefügt” Meldung noch ein paar Mal oben über den Stream ein. Und man darf all das dann fröhlich wegklicken.

Und wenn man den Kontakt nicht blockt, dann fungiert man auch noch als unfreiwillige Linkschleuder, da der Spammer ja im “Leute, die xyz im Zirkel haben” mit auftaucht.

Im Endeffekt wird hier also der Kommunikationskanal der Zirkelmitteilungen dazu missbraucht, um Werbung zu versenden. Das ist das Internet-Äquivalent von “ich ruf mal an und leg gleich auf, meine Caller-ID wird ja im Anruflog gespeichert, da kann der ja zurückrufen”. Wenn nur einer das macht, dann ist das maximal ein kleines Ärgernis.

Das macht aber leider nicht nur einer, der einzige Grund, warum das noch nicht massiv passiert, ist weil Google+ noch zu neu ist, und die mechanical turks das noch nicht bedienen. Aber wehe wenn – dann habt Ihr Schnarchnasen Google+ kaputtgemacht! Denn solche Aktionen poppen nicht nur einmal kurz auf und gehen von alleine Weg, sondern verursachen beim Empfänger nicht zu vernachlässigenden Extraaufwand. (Schon mehrmals am Tag auf “block user” zu klicken ist mehr Aufwand als ich eigentlich will.)

Und deswegen sind solche Einkreisungen, die nur dazu dienen Aufmerksamkeit zu erzeugen, nicht irgendwie nett gemeint, sondern Spam, pure and simple. Und deswegen werde ich diejenigen, die sowas machen, weiterhin Spammer nennen.


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Ein gutes Rollenspielregelsystem zeichnet sich ja unter anderem dadurch aus, dass die Regelmechaniken bestimmte Verhaltensweisen fördern. Wenn ich möchte, dass die Spieler möglichst viel eigene Ideen und Details ins Spiel bringen, dann belohne ich das mittels Gummipunkten oder sonstigen Vorteilen für ihre Charaktere. Solche Regelwirkungen sind den Spielern manchmal sehr, manchmal gar nicht bewusst. Aber selbst die Unbewussten wirken häufig erstaunlich gut.

Etwas ähnliches passiert (ziemlich indirekt) mit der Altersversorgung. Lange Zeit wurde ja die umlagenfinanzierte Rente als das Mittel der Wahl angesehen – die aktuellen Generation zahlt die Rente der vorherigen direkt. Da wird kein Geld angespart, keine Investition getätigt.

Seit geraumer Zeit wird dann ja eher eine anlagenbasierte Altersversorgung propagiert, meistens auf der Basis von Aktienfonds und ähnlichem.

Was hat das mit den Spielregeln zu tun?

Ganz einfach: Hängt mein (jetziges oder späteres) Auskommen von einer umlagenfinanzierten Rente ab, dann habe ich ein lebhaftes Interesse daran, möglichst viele sozialversicherungszahlende Arbeitnehmer in meinem Land zu haben.

Habe ich hingegen eine anlagenbasierte Rente, dann schaue ich eher auf den vielberüchtigten Shareholder Value. Und da meine Anlagenfonds sicherlich die Investments stets anpassen, sind mir langfristige Unternehmensziele oder die Frage, ob da Arbeitnehmer (außer mir selbst) was verdienen eigentlich Banane.

So, und jetzt fragt Euch mal selbst, welche Spielregel besser für eine prosperierende Gesellschaft ist.


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Dass man in einer Gruppe von Menschen einmal solche findet, die eine andere Ansicht zu irgend etwas haben, als man selbst, ja vielleicht sogar eine andere Ansicht als die Mehrheit dieser Gruppe, das kommt vor.

Und das ist nicht schlimm. So gar nicht, jetzt ehrlich nicht.

Schlimm wird es, wenn die eine oder andere Seite deswegen anfängt, auf der jeweils gegenüberliegenden Seite verbal oder sogar tatsächlich herumzuhacken.

Also, wenn zum Beispiel Neonazis Asylantenheime anzünden, weil ihnen dieselben nicht gefallen.

Oder wenn irgendwelche selbsternannten Piraten auf einen sachlichen und ergebnisoffenen Artikel, der im Endeffekt nach mehr Toleranz und einer besseren Welt ruft, mit “die müsste man mal bummsen” oder ähnlichen Beschimpfungen (caveat: Ich bin gerade zu faul, Links zu den eigentlichen Beleidigungen herauszusuchen. Ich finde aber auch, dass man die nicht noch extra verlinken muss) reagiert.

Also, sowas, sowas ist schlimm. Und ja, ich packe beides in die gleiche Schublade. Wer eine andere Meinung nicht leiden kann, der soll sie bitte entweder ignorieren, sachlich zerpflücken, oder einfach nur kundtun, dass er diese Meinung nicht teilt. “Immer feste druff!” war noch nie das geeignete Mittel, um andere dazu zu bewegen, doch bitte von ihrer Meinung abzurücken.

Selbst wenn die Meinung wirklich widerwärtig und so ist (was Julias im Übrigen mitnichten ist. Meiner Ansicht nach sogar im Gegenteil!): Im besten Fall reden sie danach über diese Meinung nur noch im Geheimen, im schlimmsten Fall wird die Gegenseite radikalisiert, in die Defensive gedrängt und geht irgendwann eben auch zum offenen Angriff über.

Wie gehen wir also mit Mindermeinungen am besten um? Zuerst einmal sollte man sich Mühe geben, sie zu verstehen. Das muss nicht mit jeder Äusserung neu geschehen, aber zumindest ein einziges Mal, so dass man für zukünftige Begegnungen mit der gleichen Ansicht gewappnet ist. Hat man die Mindermeinung nun also inhaltlich durchdrungen und verstanden, dann hat man (so man sich diese Mindermeinung nicht plötzlich auch selbst zu Eigen gemacht hat) hoffentlich auch ausreichend Gegenargumente gesammelt.

Diese gesammelten Gegenargumente kann man nun sachlich und hilfreich dem Vertreter der Mindermeinung darlegen. Im Idealfall gibt besagter Vertreter jetzt weitere Ausführungen zu Protokoll, man reagiert mit neuen Argumenten, und trifft sich vielleicht irgendwo, und neue Erkenntnisse werden gewonnen, wir alle haben gewonnen. Vielleicht überzeugt sogar die eine Seite die andere vollends. Dann hat die andere Seite übrigens nicht “verloren”, sondern nur neue Ansichten gewonnen – sowas ist zu begrüßen, ehrlich, und kein Grund zur Schande.

Aber der Idealfall tritt nicht immer ein: Manchmal sind Ansichten nicht miteinander vereinbar, die eine oder andere Seite nicht lernfähig, zu starrköpfig oder gar zu doof, um von der eigenen Ansicht abzurücken. An dieser Stelle bitte Obacht! Aus der eigenen Perspektive ist nicht immer klar, welche Variante für das Scheitern des Meinungsaustausches genau verantwortlich ist. Ja, es kann sogar sein, dass man selbst zu doof oder nur zu starrköpfig ist.

Daher sollte es die Höflichkeit gebieten, jetzt nicht doch noch den Hammer herauszuholen. Erklärt stattdessen, dass Ihr mit der dargebotenen Ansicht nicht einverstanden seid, und, sofern keine neuen Erkenntnisse geliefert werden, belasst es dann dabei. Geht einfach weg, macht Euer eigenes Ding weiter, und ignoriert die Mindermeinung. Geht nicht davon aus, dass die Gegenseite Euren Argumenten zugänglicher wird, nur weil ihr sie x Mal wiederholt, lauter werdet oder Eure Argumente gar in Schimpfworte kleidet.

Das funktioniert nicht.

Nochmal: Das funktioniert nicht.

Das einzige, das Ihr damit bewirkt, ist dass Ihr wie die Schulhofschläger dasteht. Wollt Ihr das wirklich? Feilt lieber an Euren Argumenten, verbessert sie, macht die Beispiele anschaulich, schaut Euch immer wieder die Argumente der Gegenseite an und widerlegt sie.

Nicht um die Gegenseite zu überzeugen, sondern um zu verhindern, dass auch Andere der Gegenseite folgen. Geht zu anderen, noch nicht überzeugten von der einen oder anderen Seite, und immunisiert sie mit Euren Argumenten. Damit wird die Mindermeinung dann, so Eure Argumente tatsächlich besser sind, schlußendlich aus dem Memepool gedrückt. Die Gegenseite selbst habt Ihr ja offensichtlich nicht überzeugen können, da ist also jedes weitere Wort vergebene Liebesmüh. Wenn Ihr da weiter die Gegenseite beackert füttert Ihr entweder nur noch Trolle, oder werdet eben selbst zu Trollen. Beides nicht unbedingt erstrebenswert, oder?

Also, nochmal zusammengefasst:

  1. Ihr seht jemanden mit einer Mindermeinung
  2. zuhören, durchlesen, verstehen.
  3. Kontrollieren, ob man die Mindermeinung wirklich verstanden hat.
  4. Gegenargumente auflisten und verstehen
  5. Vertreter der Mindermeinung sachlich und freundlich mit den Gegenargumenten konfrontieren
  6. Schleife von 2. bis 5. bis entweder ein Konsens gefunden wurde, oder die nicht-Konsensfähigkeit festgestellt wird.
  7. Andere als den Vertreter der Mindermeinung mit den Gegenargumenten memetisch immunisieren. Vertreter der Mindermeinung freundlich ignorieren.

Ist doch gar nicht so schwer, oder?


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War ja klar, kaum gab es irgendwo einen Anschlag, kommen die Innenpolitiker aus ihren Löchern und stellen Forderungen. Vorratsdatenspeicherung, Überwachung, Kameras, whatever.

Hier mal ein paar Forderungen, die ich sehr lange nicht gehört habe, die ich aber quasi sofort mittragen würde:

  • Mehr Polizisten auf die Straße. “Bürgenahe Beamte” nennt man sowas. Während meines Zivildienstes konnte ich so einen mal kennenlernen. Den Namen hab ich leider vergessen, aber es war ein sehr netter und freundlicher Mann, der so einmal die Woche im Freizeitbereich des Altenheims aufschlug, mit uns einen Kaffee trank und kurz versicherte, dass alles sicher sei, und auch gerade keine Einbruchserien vermeldet wurden. Warum man solche Leute erst in einem Altenheim kennenlernt ist wohl auch so ein Symptom unserer Gesellschaft.
  • Mehr Polizisten überhaupt. Die sind doch eh schon alle überarbeitet, insofern kann das sicher nicht schaden. Alleine der notwendige Papierkram...
  • Mehr Gehalt für Polizisten. Die machen nämlich einen wirklich wichtigen Job, bei dem sie mit allerhand Kram konfrontiert werden, der mir persönlich schon zuviel wäre.
  • Bessere Polizisten. Nicht, dass die jetzigen schlecht wären (ich kenne zu wenig um das wirklich zu beurteilen), aber wenn man mal regelmäßig z.B. das Lawblog liest, oder die jüngsten Vorfälle in Dresden, dann kann man an der Qualität sicher noch schrauben. Also, besser ausbilden, besser kontrollieren, besser motivieren.
  • Bessere Ausrüstung für die Polizisten. Also, Hubschrauber die Benzin haben, Computer, die den Begriff “modern” auch verdienen, und so weiter. Also, Ausrüstung, die tatsächlich von der bestehenden Mannschaft gebraucht und verwendet wird. Nicht Kameras und so Zeugs, dass erst mal noch mehr Manpower braucht, damit man überhaupt was damit anfangen kann.

Wie gesagt. Keine dieser Forderungen hört man derzeit in der Politik. Schade eigentlich...


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