Orkpiraten

Thinking and Playing and Testing

Wenn mal wieder Daten auf welche Weise auch immer außerhalb ihres geschützten Bereiches auftauchen, wird gerne von “Datendiebstahl” gesprochen. Wenn es dann Kundendatenbanken sind, wird gerne polemisch gefragt, warum das denn “jetzt erst auffalle?!”.

Schreibende Zunft, Politiker, Wirtschaftslenker, schreibt es Euch hinter die Ohren: Egal ob es sich um Musik, Filme, die Baupläne des Transrapids oder eben die Kundendatenbank eines Inkassobüros handelt, Daten können nicht gestohlen werden. Begriffe wie “stehlen”, “rauben”, “entwenden” etc. entstammen der alten analogen Welt in der Leitz-Ordner aus einem Gebäude getragen oder unhandliche Magnetbandspulen unterm Mantel versteckt wurden.

Bitte sprecht auch nicht von einem Verlust, oder daß Daten “abhanden gekommen” seien.. Die Daten sind nämlich weiterhin an ihrem ursprünglichen Platz – so sie dort nicht noch absichtlich gelöscht wurden, was eher nicht die Regel ist.

Heutzutage werden Daten unerlaubt kopiert.

Das ist, im Falle von Industriespionage oder bei Datenschutzpannen, viel schlimmer: Anstatt nur die Daten zu verlieren, verliert man unwiederbringlich die Kontrolle über ihre Verbreitung. Was vorher geheim und vertraulich war, ist jetzt potentiell der gesamten Weltöffentlichkeit zugänglich. Man kann sich auf den Kopf stellen, zigmal das eigene Bedauern zum Ausdruck bringen, Leute einsperren oder sonstwas tun, der Schaden bleibt vorhanden!

Nochmal, in aller Deutlichkeit: Wenn zum Beispiel Unbefugte Zugriff auf die Kundendatenbank eines Unternehmens bekommen, ensteht nicht dem Unternehmen der Schaden. Dieses hat immer noch seine Kundendatenbank, da funktioniert alles weiterhin wie vorher. Der Schaden entsteht bei den Kunden dieses Unternehmens. Diese sind ab sofort einem unkalkulierbaren Risiko ausgesetzt, dem sie sich nur entziehen könnten, wenn sie Adresse, Telefonnummer, Blutgruppe, Geburtsjahr, Geschlecht und Familienbande komplett ändern würden.

Denn die Daten verschwinden nicht. Es wird sogar noch schlimmer: Die Daten, die bei Unternehmen X abgegriffen wurden, sind vielleicht noch harmlos, ebenso wie die Informationen, die bei Unternehmen Y dank unzureichender Sicherheit von Fremden kopiert wurden. Aber die Kombination der beiden Datensätze könnte brisant werden. Und anders als zum Beispiel bei einem gestohlenen Auto, kann der Geschädigte nie darauf hoffen, daß die Daten irgendwann wieder komplett in seinen Hoheitsbereich zurückkehren.

Wie bei einigen Giften oder Strahlung sammeln sich die Datenschutzschäden über das Leben an, bis sie irgendwann unweigerlich einen kritischen Punkt erreichen.

Was ergibt sich aus solchen Gedanken? Datenschutzpannen eines Unternehmens sind keine Lappalie mehr, sondern als GAU zu behandeln. Die wirklichen Opfer, also die Kunden deren Daten jetzt in der freien Wildbahn sind, sollten dafür größtmöglichst entschädigt werden.


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Wie jeden Montag lief die See-der-Tausend-Inseln-Kampagne auch gestern weiter – die Spieler setzten die Erkundung des Geisterschiffes fort und konnten dabei diverse Hinweise sammeln. Allerdings hatte ich ein kleines Dilemma: Ich war mir nicht ganz sicher, wie ich welche Hinweise präsentieren sollte. Dazu kam, daß ich mich bei einigen Variablen der Handlungsmaschine nicht so recht für die eine oder andere Richtung entscheiden konnte.

Zur Rettung kamen mir dann einige Zufallstabellen und Counter:

Am Anfang jedes Abends lese ich den Spielern immer ein kleines Intro vor. Dieses Mal hatte ich insgesamt vier Varianten für dieses Intro vorbereitet, jede dieser Varianten würde dann den Verlauf in eine andere Richtung schubsen. Und vor dem Verlesen liess ich einfach einen Spieler kurz würfeln. Da die fraglichen Dinge ja schon gelaufen sind, hier mal die von mir aufgestellten Varianten fürs Intro:

Jonas stöhnte leise. Das gebrochene Bein schmerzte unheimlich, dennoch kam er langsam wieder zu Bewusstsein. Zu seinem Erstaunen fand er sich gar nicht mehr auf der “Kronprinz Darin” wieder, sondern auf einer kleinen Schaluppe. Über sich sah er nur die Bordwand des früheren Stolz der Gornemünder Marine, zu seiner rechten das offene Süßwassermeer.

  • (1-2) Nur weg von diesem Schreckensschiff, dachte er sich, als er hastig die Seile mit seinem Messer durchtrennte...
  • (3-4) Wie benommen richtete er sich auf. In der Ferne sah er eine andere Schaluppe, mit Männern die ihm winkten. Müde winkte er zurück. Ein Glück, Rettung...
  • (5-6) Träge richtete er sich auf. Hatte er da nicht etwas gehört? Ein Platschen im Wasser? Grunzend vor Anstrengung beugte er sich über die Bordwand und erstarrte, angesichts des toten Cibolaneradmirals der ihn packte...
  • (7-8) Irgend etwas brummte in seinem Ohr. Aus Reflex schlug er danach mit der Hand. Eine Motte, ein ziemlich dicker Brummer. Während er noch darauf starrte, hörte er es wieder brummen...

Heraus kam übrigens die erste Variante – die Schaluppe würde also nicht mehr da sein, wenn die Charaktere sie für ihren Rückzug nutzen wollen. Die anderen Varianten hätten andere, zum Teil deutlich schwerere Zufallsbegegnungen auf dem Geisterschiff zur Folge gehabt.

Counter (geradlinieg und teilweise mit Zufallselement) benutzte ich für einige der Ereignisse auf dem Schiff: Damit hielt ich mich selbst im Zaum, um nicht bestimmte Ereignisse im aus meiner Sicht “besten” oder “fiesesten” Moment loszulassen. Im Ergebnis wurde das Spiel damit auch für mich eine ganze Ecke spannender.

Beispiel: Die Charaktere legten in einem Raum des Schiffes Feuer, der direkt an einen großen Wassertank grenzte. Ich beschloß spontan, dass früher oder später die Wand zwischen diesen beiden Räumen nachgeben müsste. Den Zeitpunkt legte ich grob fest, fügte aber für die letzte Minute ein Zufallselement ein. Nach jeder Runde musste ein Spieler mit zwei W10 würfeln, das Ergebnis wurde von einer (vorher von mir verdeckt ausgewürfelten Summe, hier 78) abgezogen. Sobald dieser Counter unter Null sank, brach die Wand – zu meiner Freude genau zu dem Zeitpunkt, als die Charaktere just auf einer wackligen Treppe genau vor diesem Raum standen!

Leider habe ich gerade gar keinen Schimmer, wo die Spieler als nächstes hin wollen – da wartet einiges an Vorbereitungsarbeit auf mich.


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uiuiui... wat'n Schnitzer:

Um Interessenskonflikte in der Gesetzgebung zu vermeiden sollen jegliche Arten von Parteispenden verboten werden.

Interessenskonflikte zu verhindern ist ja schön und gut, aber keine Parteispenden mehr? Dann könnten neue Parteien eigentlich gar nicht mehr entstehen (ausser, man setzt den Mitgliedsbeitrag schön hoch und führt komplizierte Ausnahmeregelungen ein). Die Etablierung einer Partei in der Medienlandschaft kostet Zeit und eben auch Geld. Der Petent sieht das ja teilweise auch ein:

Parteien sind mitunter aber abhängig von der Finanzierung durch Spenden. Man müsste also mindestens einen staatlichen Ausgleich einführen.

Woher dieses Geld kommen soll bleibt offen, ebenso wie Parteineugründungen oder noch unbekannte Parteien hierfür werben könnten. Den Ausgleich per Abstimmung auf die Parteien zu verteilen klingt erstmal sehr demokratisch, bei der tatsächlichen Ausarbeitung solcher Dinge sehe ich aber ziemlich viele Probleme.

Der Grundgedanke – Parteien von Beeinflussung frei zu halten ist ja per se gar nicht mal so verkehrt. Aber diese “Lösung” zementiert nur den Status Quo der Volksparteien – und als Anhänger einer der “Sonstigen” kann ich das natürlich gar nicht gutheißen. :)

Aber man soll ja nicht nur meckern, wie wäre es stattdessen mit dieser spontanen Idee: Alle Spenden die einen gewissen Rahmen überschreiten müssten nicht nur gemeldet werden, sondern werden auch bis nach der nächsten Bundestagswahl auf einem Anderkonto außerhalb des Parteizugriffs geparkt. Das beseitigt die Beeinflussung natürlich nicht, aber die wird es immer irgendwie geben.

Stattdessen gibt man damit dem Bürger vor der Wahl das Wissen an die Hand, welcher Lobbyverein da gerade wen finanziert, idealerweise direkt auf dem Stimmzettel! Damit bewaffnet kann er sich dann bei Abgabe der Stimme in der Wahlkabine seine Gedanken machen...


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Vorstandsvorsitzender – was will ich da eigentlich?

Zuerst einmal bin ich ganz ehrlich: Für verwaltende Tätigkeiten, wirklich wöchentliche Stammtischbesuche und ähnliche Dinge werde ich nicht viel Zeit haben. Ich arbeite Vollzeit, bin in der Regel beruflich immer wieder mal in anderen Städten und habe dann auch noch den Anspruch an mich selbst wenigstens hin und wieder Freizeit mit Freunden & Familie zu verbringen.

Auf der anderen Seite sehe ich speziell den Vorstandsvorsitz hier aber auch nur bedingt in der Pflicht – und die Aufgaben, die ich sehe, können von einem guten Kommunikator dennoch gut wahrgenommen werden.

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Ein wenig spät am Tag, aber ich hab es nicht vergessen: Schauen wir uns heute mal verrückte Wisseschaft an, und was es da so herum gibt.

Ganz und gar hinreissende Steampunk-Fantasy ist Girl Genius. Die Professoren Phil & Kaja Foglio haben hier ein wunderbares d'ouvre geschaffen, mit Abenteuern, Romantik und MAD SCIENCE! Das titelgebende Mädchengenie ist Agatha, auf den ersten Blick eine tollpatschige Erfinderin, der nichts aber auch gar nichts gelingt. Ihre Welt ist dominiert von den Blitze: Gescheit-geniale Menschen denen die unglaublichsten Erfindungen gelingen, die aber auch gleichzeitig ein klein wenig den Bezug zur Realität verloren haben. Rücksicht auf andere? Aber wieso denn, schließlich ist das dampfgetriebene Buttertoastmacherschnellfeuertischdeckgewehr ein Durchbruch der Wissenschaft, und kaum jemand stirbt bei seinem Einsatz!

Im Verlauf der wirklich packenden Geschichte lernen wir einiges über das fantastisch-alternative Europa das die Foglios uns da aufzeichnen und Agatha lernt das schreckliche Geheimnis ihrer Familie kennen..

Nur entfernt in das Steampunk-Genre gehören die Freak Angels. Hier sehen wir eine Gruppe Ausgestoßener Freaks in einem postapokalyptischen England. Warren Ellis und Paul Duffield haben hier eine sehr verstörende, dichte Fiktion geschaffen. Die Freak Angels sind ehemals Gejagte, die mit einer schweren Vergangenheit zu kämpfen haben, und nun langsam nicht nur erwachsen, sondern sich auch zunehmend der eigenen Verantwortung bewusst werden. Der Comic ist wesentlich moderner und nicht so blumig gezeichnet wie Girl Genius, aber nicht weniger lesenswert.


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Das war lustig gestern. Nach einem (hoffentlich auch für die Spieler) stimmungsvollen Intro machte sich die Gruppe gestern auf, das Schiff der Untoten genauer zu untersuchen. Größtenteils gingen die Spieler dabei eher ergebnisorientiert vor, aber hin und wieder schimmerte auch immer Charakterspiel durch:

So sprang der Marinesoldat an einer Stelle beherzt ins Wasser um einen Flüchtling zu retten, geriet dabei aber selbst in Seenot. Während zwei seiner Freunde versuchten ihn trotz Wellengang und schwerer nasser Kleidung zurück ins Boot zu hieven, hatte der Priester nichts besseres zu tun als seinen Gott um Gnade für die wohl bald ertrinkende Seele zu bitten!

Für mich persönlich habe ich wieder einmal festgestellt, wie schwer es doch ist in einer Runde die nur etwas über 3 Stunden andauert wirklich Stimmung zu erzeugen, dennoch denke ich, daß alle Beteiligten Spaß hatten. Ich bin gespannt auf die Spielerzusammenfassung Und da ist sie schon: Dort kann ich dann hoffentlich sehen, welche im Spiel erwähnten Informationen aufgegriffen werden.


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Begeben wir uns diese Woche einmal in den kalten Raum zwischen den Welten. Raumschiffe, fremde Planeten, unbekannte Kulturen...

...schon seit längerer Zeit verfolge ich “Angels 2200 – Courage. Honour. Lipgloss.”. Die Prämisse hier ist, daß die Erde mit ihren Kolonien Krieg führt. Irgendwann in diesem Krieg wurden alle Männer Opfer einer geheimnisvollen Seuche – und nun führen die Frauen diesen Krieg weiter. Man bekommt Action, egal ob zweideutig oder handfest, Intrigen, Drama... eigentlich alles was eine gute Space Opera ausmacht.

Angels 2200 lag eine Zeitlang auf Eis, scheint jetzt aber mit neuem Schwung weiterzumachen.

Eher auf der spaßigen-fantastischen Seite des Genres ist Zap! angesiedelt. Die Hauptfigur, Zap, stolpert eher zufällig in eine kosmische Intrige, wird plötzlich von der halben Galaxie gejagt, freundet sich mit einem intelligenten Raumschiff an, und..

..hilarity ensues!


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Mama fragt gerade per Email nach unseren aktuellen Kontaktdaten. Telefonnummer, Handynummer, Adresse, Adresse bei der Arbeit, Emailadressen, Webseiten, was Mütter halt so wissen wollen :).

Herausgekommen ist eine ziemlich lange Liste. Und solch neumodischen Kram wie MySpace, Twitter und Zeugs hab ich nichtmal erwähnt. Meine Fresse....


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So, gestern ging es dann wirklich los. Leider fehlte ein Spieler berufsbedingt und ein anderer kam dank des Schneetreibens nicht mit dem Auto die Tiefgaragenausfahrt hoch – und war dann nur akustisch via Skype zugegeben.

(Ich forderte ihn ständig zum Würfeln auf, und wurde von allen daran erinnert, daß ich das doch machen müsste.)

Ich hatte mich im Laufe der letzten Woche dazu entschieden, die Kampagne mit einem Knall starten zu lassen. In den Vorschauen stellte ich ja schon mein Gedankenbild eines elbischen Handelsriesen vor. Von diesem Giganten der See geht nun eine unsägliche Gefahr aus – was genau müssen die Spieler noch herausfinden, eines wissen sie aber seit gestern: Untote haben viel damit zu tun.

Was ist also passiert? Wie aus dem Nichts tauchte ein uraltes Handelsriesen-Begleitschiff vor der Stadt Gornemünde auf. An Bord waren untote Skelettkrieger – zu Hunderten! Das Schiff krachte gegen die Verteidigungsmauer der Kaufmannsinsel und das ganze Stadtviertel musste während des verzweifelten Verteidigungskampfes aufgegeben werden. Eine genaue Zusammenfassung erhalte ich hoffentlich zeitnah von einem der Spieler :).

Die Spielhandlung setzte einen knappen halben Tag vor diesem schrecklichen Ereignis ein: Die Charaktere waren von einer kurzen Reise auf einem Küstensegler zurück und frisch an Land. Über den Verlauf eininger Stunden erhielten sie diverse Anzeichen daß etwas nicht stimmte. Zwar war das Eintreffen des Schiffes voller Untote wohl eher unabwendbar, aber die Charaktere hatten diverse Möglichkeiten die Katastrophe nicht ganz so schlimm ausfallen zu lassen, aber eben auch sie zu verschlimmern. Sie hatten weitgehend freie Bewegungsmöglichkeiten in der Stadt, haben diese aber eher defensiv und vorsichtig genutzt.

(Als Beispiel sei folgendes genannt: Die Insel mit dem Kaufmannsviertel ist über eine einzige, mit zusätzlichen Toren bewehrte Brücke mit dem Rest der Stadt verbunden. Diese Toren hatten die Macht den Untotenansturm aufzuhalten – würden aber gleichzeitig dutzende Menschen mit einschließen. Die Charaktere schlossen das Tor recht frühzeitig, anstatt evtl. eine frühere Verteidigungslinie davor zu errichten. 10 Menschen entkamen noch über ein Seil, es hätten aber mehr sein können – es hätte natürlich auch das Tor fallen können.)

Die Situation sieht jetzt wie folgt aus: Ein Drittel der Stadt, eine der prächtigsten des Reiches ist jetzt augenscheinlich in der Hand von Untoten. Viele der die Stadt regierenden Magier sind tot oder zumindest schwer verwundet. Woher diese kamen, und warum ist komplett unbekannt. Einige der Flüchtlinge erzählen, die Skelette hätten alte cibolanische Rüstungen getragen – kehrt das Unterdrückerreich zurück?

Die Stadt ist derzeit komplett überfordert. Viele Stadtwachen sind gefallen, die größeren Ritterorden sind mehrere Tagesreisen entfernt. Alle waffenfähigen Einwohner wurden aufgefordert sich bei der Miliz zu melden (Die Gruppe hat dies umgehend getan, und bildet jetzt eine eigene kleine Einheit, da sie einen erfahrenen Soldaten in ihrer Mitte haben).

Den Spielern ergeben sich jetzt schon mehrere direkte Handlungsoptionen:

  • noch einmal das Kaufmannsviertel betreten um
    • nach Überlebenden zu suchen
    • nach Hinweisen zu suchen
    • Untote jagen!
  • Das an der Stadtmauer liegende Begleitschiff aufsuchen
  • Patroulliendienst schieben
  • Hilfe von Außerhalb holen

Langfristig werden sie wohl herausfinden wollen, was es mit diesen Untoten auf sich hat, wer sie erschaffen und geschickt hat, und warum sie auf einem elbischen Schiff angekommen sind.


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Die Piraten aus Nordrhein-Westfalen haben eine Presseerklärung rausgegeben. Dort wird die Forderung nach einer “unabhängigen Ermittlungsbehörde” gestellt. Diese Behörde soll gegen “vermeintlichen Straftaten von Polizeibeamten” ermitteln. Selbst Amnesty International fordere schon seit geraumer Zeit eine solche Behörde für Deutschland, in anderen Staaten gäbe es das schon längst.

MiGri regt sich darüber auf und bezeichnet diese Erklärung als einen “Griff ins Klo” – zu viele Dinge seien nicht verstanden, zu viele Fragen blieben offen.

Vollkommen korrekt weist er darauf hin, daß in Deutschland die Staatsanwaltschaften durchaus unabhängig von der Polizei sind. Ebenso fragt er, ob nach solch einem Verständnis denn auch bestehenden Gerichte als befangen anzusehen seien. Leicht polemisch unterstellt er den NRWlern, daß sie wahrscheinlich als nächstes auch noch Sondergerichte fordern werden.

Das es ein Problem bei der Aufklärung von polizeilichen Übergriffen gibt soll hier nicht bestritten werden. Allerdings ist es hier interessant zu beobachten, daß die Verfasser der Pressemitteilung in genau die Denkweise verfallen sind, die den etablierten Parteien von uns Piraten vorgeworfen werden:

Aktionismus & Symptombekämpfung bei nicht vollständiger Durchdringung der Materie.

Ja, genau. Das grundlegende Problem ist doch nicht, dass niemand ermittelt, oder das nur halbherzig geschieht. Das Problem ist viel fataler und vielschichtiger:

  • Zeugen sagen nichts aus
  • Beweise bestehen häufig nur aus Zeugenaussagen, und da steht meist ebenso häufig Aussage gegen Aussage
  • Polizisten als Zeugen werden von Richtern in der Regel für glaubwürdiger als Normalbürger gehalten.
  • Unser (Straf-)Rechtssystem verlangt eine eindeutige Identifizierung eines Täters – ist dieser nicht zu ermitteln, gibt es keine Verurteilung
  • Warum prügeln Polizisten eigentlich auf Bürger ein? Da muss es doch Gründe für geben, dass sie Demonstranten als Feinde wahrnehmen.

Und es wird noch fataler: Die Politik besitzt kaum effektive Mechanismen, um diese Problempunkte anzugehen. Wenn jemand nicht aussagen will, weil er sich entweder auf Erinnerungslücken, oder sogar auf ein Aussageverweigerungsrecht (er könnte sich ja mit der Aussage selbst belasten) beruft, den kann kein Politiker dazu zwingen – jedenfalls nicht ohne grundlegende Eingriffe dahinein, wie Zeugen vor Gericht behandelt werden. Will man das?

Ob ein Richter Polizisten per se für glaubwürdiger hält ist Ermessenssache, die berühmte “richterliche Unabhängigkeit”. De facto wird der sich hier auf seine allgemeine Lebenserfahrung sowie auf das, was er in seiner Studienzeit als “herrschende Meinung” gelernt hat berufen. Letztere kann die Politik übrigens ebenfalls nicht ändern – die Freiheit von Forschung und Lehre lässt grüßen!

Eine Gruppenhaftung oder ähnliches will hoffentlich auch niemand einführen.

Ich gebe zu, ich habe von der Materie wenig Ahnung im Detail. Daher werde ich mich hüten einen ernsthaften Vorschlag zu machen, aber spontan fällt mir nur eine stärkere Einflußnahme der Politik in Form der Innenminister auf die Führungsebenen der Polizeibehörden ein. Das ist meines Erachtens tatsächlich der einzige gangbare Weg.

Solange aber die “starken Männer” als Innenpolitiker auserkoren werden, diejenigen die “Law & Order” und “innere Sicherheit” versprechen, werden wir dieses Problem weiter haben.

Zum Mangel einer unabhängigen Kontrolle der Justiz: Das klingt ja zuerst tatsächlich immer nach einer schönen Idee. Die Frage ist jedoch: Wer soll hier wen worauf kontrollieren? Deutsche Richter sind unabhängig. Sie sind in ihren Entscheidungen nur dem Gesetz – und das lässt Berufungen und Revisionen zu, um gegen Fehlurteile vorzugehen zu können. Eine zusätzliche Kontrollinstanz scheint mir da wenig sinnvoll.

Dann haben wir da noch die Staatsanwaltschaften. Diese sind bei den Justizministerien angesiedelt, damit also eigentlich unabhängig von den Polizeibehörden, die ja den Innenministerien zugeordnet sind. Es gibt also eigentlich keine Möglichkeit für einen Polizisten oder dessen Vorgesetzten irgendwie über seine dienstliche Befehlskette einen Staatsanwalt daran zu hindern, seiner Arbeit nachzugehen. Müssen sie in der Regel auch gar nicht, da die oben genannten Probleme eine Aufklärung in der Regel schon so zuverlässig genug verhindern. Was soll hier also eine neue Ermittlungsbehörde besser machen könnnen?

Bestimmt gibt es solche Einrichtungen in anderen Ländern. Diese haben aber häufig auch eine sehr andere Art der Gewaltenteilung. Jedes Land hat Strafverfolgung und -ermittlung, sowie die Struktur von Staatsanwaltschaften & Polizisten anders aufgeteilt – und in solchen Fällen ist eine zusätzliche Behörde die gegen die Polizei ermittelt teilweise sicher sinnvoll. Bei uns sehe ich aber mehr Schwierigkeiten & Bürokratie statt einer echten Lösung.

Die erreichen wir nur dann, wenn die Führungspositionen im Bereich Inneres anfangen ernsthaft umzudenken und diese Denkprozesse bis zum letzten Wachtmeister durchdringen lassen. Das braucht Zeit und ist anstrengend – aber vernünftige politische Lösungen haben das meist so an sich.

Dem Landesverband Nordrhein-Westfalen und der Arbeitskreis Innenpolitik schlage ich auf jeden Fall vor, die Pressemitteilung zumindest um konkretere Vorschläge zu erweitern, vielleicht aber sogar die Thematik als ganzes nochmal zu überdenken. Es ist zwar Wahlkampf, so daß griffige Soundbites gerne und viel veröffentlicht werden. Aber es ist doch schon ein wenig schade, wenn sie dann solche Löcher in der Argumentation haben. Zeigt piratisches Denken, geht an die Wurzeln des Problems und legt erst da in kreativer und minimal-bürokratischer Weise die Axt an.

Ansonsten kommt gleich wieder jemand mit “wenn man keine Ahnung hat, einfa....” :)


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